Das Präventionsprogramm des CCB Frankfurt

Das Ziel unseres Programms ist es, die hausärztlichen Vorsorgeuntersuchungen mit unserer kardiologischen Kompetenz zu unterstützen und zu ergänzen.

Risikobestimmung
Am Anfang steht die möglichst exakte Berechnung des Gesamtrisikos auf der Grundlage der Risikofaktoren. Hierfür sind möglichst komplette Unterlagen des Hausarztes hilfreich. Gegebenenfalls werden weitere Laborwerte in unserer Praxis bestimmt. Für die Berechnung des Gesamtrisikos verwenden wir den Risikokalkulator der Münsteraner PROCAM-Studie (s. Literaturstelle 1). Diese Studie bietet den Vorteil, dass eine deutsche Studiengruppe untersucht wurde, bei der auch die Familiengeschichte berücksichtigt wurde, was bei den genannten amerikanischen und gesamteuropäischen Studien nicht geschah.

Wenn vorhanden, sind die folgenden Laborwerte wichtig:

  • Blutbild
  • Nierenfunktionswerte: Kreatinin, Harnstoff
  • Elektrolyte (Natrium, Kalium, Kalzium)
  • Gerinnungswerte (TPZ, PTT, TZ)
  • Bilirubin, Transaminasen, gammaGT, LDH
  • Lipidwerte: Gesamtcholesterin, HDL- und LDL-Cholesterin, Triglyzeride
  • Blutzucker (nüchtern)


Im nächsten Schritt erfolgt die Analyse von EKG und Belastungs-EKG. Eine größere Schädigung des Herzmuskels und Auffälligkeiten der Kreislaufreaktion bei Belastung können so bestimmt werden. Wichtig ist besonders die genaue Analyse der Belastungs- und Erholungsfähigkeit. Meistens wird auch eine Ultraschalluntersuchung des Herzens zur Darstellung der Herzfunktion vorgenommen. Zwar ist die Vorhersagekraft im Hinblick auf das Herz-Kreislaufrisiko gering, bereits vorhandene Schäden können aber sehr gut erkannt werden.

Bei vielen Patienten wird es bei diesem Stand bereits möglich sein, eine Entscheidung über das weitere Vorgehen zu treffen und einen Therapieplan aufzustellen. Bei anderen wird das Risiko weiterhin im unbestimmten „Graubereich“ liegen. Es ist unser Ziel, in diesen Fällen eine möglichst genaue Aufklärung des Risikos zu erreichen und festzustellen, ob es nicht doch eher niedriger oder eher höher liegt, als ursprünglich angenommen. Manchmal wird das Risiko aber auch nach einer Reihe von Zusatztests weiterhin als „mittelgroß“ eingestuft werden. Mit der Hilfe der zusätzlichen Untersuchungen kann dies aber weiter präzisiert und das weitere Vorgehen geplant werden.

Zusatzuntersuchungen zur genaueren Risikobestimmung:

A) Methoden zur direkten Gefäßdiagnostik:

  • Ultraschall der Halsschlagadern („Karotisarterien“)
  • 64-Zeilen Computertomografie des Herzens zur Koronarkalkbestimmung

B) Bei Diabetikern oder Bluthochdruck:

  • Untersuchung des Augenhintergrunds ohne Weitstellung der Pupillen

C) Bei Verdacht auf Diabetes:

  • Test auf versteckte Blutzuckererhöhung („oraler Glukosetoleranztest“)
  • Die Zusatzuntersuchungen werden nach genauer Indikationsstellung je nach Notwendigkeit der weitergehenden Risikobestimmung eingesetzt.

Gegebenenfalls werden weitere Untersuchungen durchgeführt:

  • Analysen der Gerinnungsneigung des Blutes
  • Magnetresonanztomografie zur Darstellung der Durchblutung des Herzmuskels, ggf. auch möglicher Vernarbungen

Therapievorschlag
In Abhängigkeit von den Ergebnissen der Risikoanalyse wird ein Therapieplan erstellt, der die Behandlungsziele definiert und die geeigneten Möglichkeiten aufzeigt, diese Ziele zu erreichen. Oft lässt sich mit nicht medikamentösen Ansätzen eine ausreichende Verbesserung des Risikos erreichen. Manchmal ist aber auch eine medikamentöse Therapie notwendig.

Im Rahmen der nicht medikamentösen Therapieansätze versuchen wir, unseren Patienten Hilfen für den Alltag zu geben. Wir bieten eine ärztlich geführte, problemorientierte Diätberatung an. Besondere Programme stehen für Diabetiker oder Patienten mit einem hohen Risiko, an Diabetes zu erkranken, zur Verfügung. Wir beraten Sie hinsichtlich Strategien, das Rauchen aufzugeben und Möglichkeiten der körperlichen Aktivität.
Zu den wichtigsten medikamentösen Therapieansätzen zählen die verschiedenen Möglichkeiten der Blutdruckeinstellung, Cholesterinsenkung bzw. Behandlung ungünstiger Cholesterinwerte und die Diabetestherapie.

Verlaufsuntersuchung
In den meisten Fällen ist es sinnvoll, nach einer dem persönlichen Risiko angemessenen Zeit eine Verlaufsuntersuchung durchzuführen. Wie haben sich die Risikofaktoren geändert? Wurden die Therapieziele erreicht? Ist die Leistungsfähigkeit besser geworden?

Fallbeispiel Eine 65-jährige Patientin leidet an erhöhten Blutdruckwerten trotz einer bereits vor 2 Jahren eingeleiteten medikamentösen Behandlung. Außer einem leicht erniedrigten HDL-Cholesterinwert sind andere Herz-Kreislauf Risikofaktoren nicht bekannt. Der LDL-Cholesterinwert liegt bei 124 mg/dl, der HDL-Cholesterinwert bei 42 mg/dl. Das 10-Jahresrisiko für einen Herzinfarkt beträgt rechnerisch nur 2,3% nach dem Münsteraner PROCAM Algorithmus. Im Rahmen von erhöhten Blutdruckwerten kommt es aber immer wieder zu Brustschmerzen. Die Belastbarkeit ist wegen eines Hüftleidens eingeschränkt. Die Kardio-CT-Untersuchung zeigt eine erhebliche Verkalkung. Der Kalkscore beträgt 329 und liegt damit höher als bei> 90% der Frauen im gleichen Alter. Die zusätzliche Kontrastmittelgabe zeigt, dass die Ablagerungen im Bereich der Vorderwandarterie zu einer hochgradigen Verengung („Koronarstenose“) geführt haben, welche für die Beschwerden der Patientin verantwortlich ist (Abbildung auf dieser Seite). Die daraufhin durchgeführte Herzkatheteruntersuchung bestätigt den Befund und erlaubt die Behandlung der Engstelle mittels Einlage einer Gefäßstütze („Stent“) (Abbildung). Im weiteren Verlauf ist die Patientin beschwerdefrei.

Tabelle 2: Überblick der Risikofaktorenziele und Methoden zur Überprüfung bzw. erweiterten Diagnostik

Risikofaktoren – Zielwerte

  • Blutdruckwerte < 140/90 mmHg, bei Hochrisikopatienten < 130/80 mmHg; unter Belastung < 200/100 mmHg
  • Blutzucker („Glukose“) nüchtern < 110 mg/dl
  • Gesamtcholesterin < 200 mg/dl, LDL-Cholesterin < 130 mg/dl, HDL-Cholesterin > 50 mg/dl, Triglyzeride < 150 mg/dl; für Hochrisikopatienten strengere Zielwerte
  • Nikotinstopp
  • Regelmäßige körperliche Aktivität
  • Gesunde Ernährung
  • Gewichtsoptimierung (Body Mass Index < 25 kg/m2)

 

 

Methoden zur Überprüfung bzw. erweiterten Diagnostik

  • Langzeit-Blutdruckmessung
  • Belastungs-EKG
  • Diagnostik einer möglichen
  • Nierenarterienstenose
  • Oraler Glukosetoleranztest
  • Diagnostik des Augenhintergrunds
  • Nierenfunktionsprüfung, Analysen der Gerinnungsneigung des Blutes und weitere spezielle Blut- und Laboruntersuchungen
  • Ultraschalluntersuchung der Halsschlagader
  • Koronarkalkbestimmung mittels CT
  • Nichtinvasive Koronarangiografie mittels CT
  • Diagnostik der Durchblutung des
  • Herzmuskels mittels Kernspintomografie
Oben links Ausschnitt aus dem Kardio-CT Bild mit Darstellung der Verengung im Bereich der Vorderwandarterie (Doppelpfeile) und der Verkalkung (schmaler, langer Pfeil). Oben rechts Herzkatheterbild mit übereinstimmender Darstellung der Verengung im Bereich der Vorderwandarterie (Doppelpfeile). Unten links wird gerade der Ballon aufgedehnt, mit dem die Gefäßstütze zur Behandlung der Verengung in das Gefäß eingebracht wird. Rechts unten das Ergebnis nach Einlage der Gefäßstütze („Stent“). Die Doppelpfeile zeigen auf die vorherige Verengung, die jetzt wieder frei durchgängig ist.

Mit dem Risiko leben

Herzkreislauferkrankungen und insbesondere der Herzinfarkt bestimmen unsere Lebenserwartung und Lebensqualität entscheidend. Eine fundierte Risiko-analyse macht es den Patienten möglich, das individuelle Risiko zu minimieren, indem sie ganz bewußt ein Leben führen, das an das eigene Risikoprofil angepasst ist. Natürlich kann dadurch manches private und berufliche Lebensziel beeinflusst werden. Die Lebenserwartung und die Lebensqualität steigen. In manchen Fällen reicht regelmäßige Bewegung und eine gesundheitsbewußtere Ernährung. In anderen Fällen wird eine medikamentöse Behandlung notwendig. Hier geht es ausschließlich um wirksame Medikamente, welche die Herzkreislauferkrankungen deutlich reduzieren und deren Einsatz wissenschaftlich abgesichert ist.
Individuelle Risikoanalyse, Verlaufskontrollen und schonende Diagnostikverfahren sind die Bausteine unseres Präventionsprogramms, das Ihnen nicht nur Einblick in Ihr persönliches Herzinfarktrisiko gibt, sondern Ihnen konkrete Handlungsspielräume aufzeigt, um verantwortungsvoll damit umzugehen.