Raucherbein und Schlaganfall - Neue Behandlungsmöglichkeiten

Seit 1993 wurde das Spektrum des CCB auch auf die Behandlung von peripheren Durchblutungsstörungen erweitert. Hierzu war die Einrichtung einer speziell hierfür geeigneten Röntgenanlage erforderlich. Darüber hinaus wurden die diagnostischen Möglichkeiten mit der Duplexsonographie erweitert. Die Möglichkeiten der intravenösen DSA sowie der kernspinthomographischen Untersuchungen der peripheren Gefäße wurden durch die Radiologische Abteilung des Bethanien-Krankenhauses bereitgestellt. Mit dem erweiterten Arbeitsspektrum änderte die Kardiologische Gemeinschaftspraxis ihren Namen in Cardioangiologisches Centrum Bethanien, heute meist als CCB bekannt.

Die Erkrankung peripherer Gefäße, besonders der Becken- und Beinregion, wird häufig unterschätzt. Im fortgeschrittenen Stadium sind zu 90% auch die Herzkranzgefäße und in 70% auch die Halsschlagadern betroffen. Im CCB wird daher auf eine ganzheitliche Diagnostik und Therapie von Gefäßerkrankungen besonderer Wert gelegt. Darüber hinaus werden auch Engstellungen der Aorta abdominalis, der Nierenarterien sowie der oberen Extremitäten (A. subclavia) dilatiert.

Periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK)

Betroffen ist meist die untere Extremität mit Engstellungen im Bereich der Beckenstrombahn (A. iliaca interna und A. iliaca externa), des Oberschenkels (A. femoralis superficialis), des Kniebereiches (A. poplitea), sowie der Unterschenkelgefäße. Während in der Beckenetage häufig Stents eingesetzt werden, erfolgt dies in den Oberschenkelgefäßen seltener und am wenigsten häufig in den Unterschenkelgefäßen. In selteneren Fällen sind auch die distale Aorta abdominalis oder die oberen Extremitäten betroffen.

Ziel der Dilatation ist die Wiederherstellung einer schmerzfreien Gehstrecke, die dem Patienten eine Bewältigung seiner täglichen errichtungen ermöglicht. In fortgeschrittenen Stadien der pAVK sind die Vermeidung von Ruheschmerzen, die Abheilung von chronischen Ulcerationen oder das Hinausschieben der Amputation das Behandlungsziel.
Die Eingriffe erfolgen wie die Herzkatheteruntersuchung in örtlicher Betäubung. Meist genügt eine Ballondilatation, in ca. 30 % ist eine Rekanalisation der Gefäße erforderlich. In Abhängigkeit vom Ergebnis der Ballondilatation wirdüber die Notwendigkeit einer Stentimplantation entschieden. Für die Behandlung von Wiedereinengungen von Gefäßen im Bereich der Unterschenkel liegt eine
Genehmigung zur Anwendung einer Bestrahlungsbehandlung vor. In den meisten Fällen kann der Patient/die Patientin am gleichen Tag nach Hause entlassen werden.

Akuter Gefäßverschluss

Der akute Verschluss eines Blutgefäßes kann thromboembolisch verursacht sein, z. B. bei Vorhofflimmern und unzureichender Antikoagualation. Auch bei schwerer und fortgeschrittener Atherosklerose der Gefäße z. B. beim fortgeschrittenen
Diabetes mellitus und „Raucherbein“ sind akute Gefäßverschlüsse möglich. In diesen Fällen besteht eine hochgradige Gefährdung für den Verlust der Extremität und es ist, neben der Gabe von Heparin und ASS, eine sofortige Einweisung über die Leitstelle (112) erforderlich. Durch lokale Lyse erforderlichenfalls mit Absaugung von Thrombenmaterial oder Fraktionierung der Thromben (Clotbuster) mit nachfolgender Dilatation und ggf. auch Stentimplantation ist eine rasche Wiederherstellung der arteriellen Strombahn möglich.

PTA der Nierenarterien

Die PTA der Nierenarterien hat sich als Standardverfahren bei der Behandlung von Nierenart erienstenosen etabliert. Über einen Leistenzugang wie bei der Herzkatheteruntersuchung erfolgt die Darstellung der Nierengefäße. Die hochgradige Einengung wird durch Dilatation und Stentimplantation geweitet. Die Nachbehandlung erfolgt mit einer Thrombozytenfunktionshemmung mit ASS und Clopidogrel, darüber hinaus sollten duplexsonographische Verlaufskontrollen erfolgen.

Carotis-PTA

Die ersten Angioplastien der A. carotis interna (Carotis-PTA) erfolgten in Deutschland 1984 insbesondere bei Patienten mit hohem Risiko für eine chirurgische Behandlung (Carotis-TEA). Durch die Verwendung von Filtersystemen, die eine Embolisierung von Plaquematerial und Thromben verhindern sollen, besteht ein vergleichbares Risiko neurologischer Komplikationen bei operativer und PTA-Behandlung der hochgradigen Carotisstenose (CAVATAS-Studie).
Nach den Ergebnissen der SAPPHIRE-Studie profitieren insbesondere Patienten mit erhöhtem allgemeinen Operationsrisiko von der Dilatationsbehandlung. Dies gilt z. B. für Patienten mit begleitender Durchblutungsstörung des Herzens, Herzschwäche, Nierenleistungsschwäche, Einschränkung der Lungenfunktion oder auch bei älteren Patienten. Nachdem am CCB 2001 und 2002 internationale Workshops zum Thema Carotis-PTA ausgerichtet wurden, hat sich das Verfahren allgemein etabliert und kann Risikopatienten als alternative Behandlungsmethode angeboten werden.

Für die Beurteilung des Behandlungserfolges ist die lückenlose prä- und postoperative Dokumentation des neurologischen Status und eines bildgebenden Verfahrens (MRT oder CT) des Schädels erforderlich. Die entsprechenden Untersuchungen können, wie auch die Carotis-PTA selbst, ambulant erfolgen.

Abb.1: Hochgradige Nierenarterienstenose links.
Abb.1: Hochgradige Nierenarterienstenose links.
Abb.2: Nach Stentimplantation.
Abb.2: Nach Stentimplantation.
Abb.3: Verschluß der A. femoralis communis links.
Abb.3: Verschluß der A. femoralis communis links.
Abb.4: Nach erfolgreicher Wiedereröffnung
Abb.4: Nach erfolgreicher Wiedereröffnung