10.000ster Herzschrittmacher im Bethanien-Krankenhaus implantiert

Europaweit eines der größten Herzschrittmacherzentren

Frankfurt am Main, 27. Juni 2007 – Im Bethanien-Krankenhaus wurde im Herzschrittmacherzentrum (HSM) der 10.000ste Herzschrittmacher implantiert. Der 38-jährige Carlos Magallanes aus Nidderau freut sich, dass sein Herz jetzt wieder im richtigen Rhythmus schlägt. Die moderne Kombination aus Herzschrittmacher, Defibrillator und einem System zur Steigerung der Herzleistung (Dreikammer-System) wird ihn jetzt ein Leben lang begleiten. Seine Beschwerden, wie die starke Luftnot, konnten damit behoben werden.

Privatdozent Dr. Thomas Voigtländer, T.A. J. Kreuzer, Carlos Magallanes, Dr. Oliver Przibille, Privatdozent Dr. Bernd Nowak (von links nach rechts)

An Herzmuskelschwäche leiden häufig ältere Menschen. Ungewöhnlich ist, dass ein so junger Mensch bereits an einer schweren Herzmuskelschwäche erkrankt. Die regelmäßige Einnahme von Medikamenten führt zur Entlastung des Herzmuskels und zur Verringerung von Luftnot und Wasseransammlung im Körper. Wenn Tabletten alleine nicht ausreichen, hilft dann oft die Implantation von Dreikammer-Schrittmachern. Hierdurch gewinnt der Patient Lebensqualität zurück. In der Kombination mit einem Defibrillator wird das Gerät im Falle gefährlicher Herzrhythmusstörungen zum Lebensretter.

Der Internist und Kardiologe Dr. Oliver Przibille ist ausgewiesener Spezialist für diese Geräte und hat den 10.000sten Eingriff vorgenommen. Im Gegensatz zu einem herkömmlichen Herzschrittmacher mit Defibrillator, der auch ambulant unter örtlicher Betäubung eingesetzt werden kann, war das Implantieren des Kombinationsgerätes bei Herr Magallanes heute etwas aufwendiger. Drei im Herzen verankerte Elektroden sind notwendig, damit das System zur Herzleistungssteigerung funktioniert.

Dr. Przibille verstärkt das Team des Cardioangiologischen Centrums Bethanien (CCB) seit 1. April 2007. Dennoch ist es für ihn bereits die 1.400ste Schrittmacherimplantation. Insgesamt wurden in der Abteilung bereits 12.500 Eingriffe vorgenommen. Davon waren 2.500 Austausch-Operationen, so dass heute die 10.000ste Neu-Implantation eines Herzschrittmachers gezählt wurde. Mit dieser Anzahl von Eingriffen gehört das Herzschrittmacherzentrum des Cardioangiologischen Centrums Bethanien (CCB) zu den größten Herzschrittmacherzentren in Europa.

Bereits kurz nach seinem Beginn am CCB bemerkte Dr. Przibille: »Es ist eine große Freude und Herausforderung in einer so leistungsstarken Abteilung zu arbeiten. Weniger als zwei Prozent aller Zentren, die Herzschrittmacher implantieren, führen mehr als 300 Eingriffe pro Jahr durch. Bei uns hingegen werden jährlich fast 1.200 Herzschrittmacher und Defibrillatoren implantiert sowie 11.300 Kontrolluntersuchungen durchgeführt.«

Die Herzschrittmacher- und Defibrillatorambulanz ist eine Abteilung des Cardioangiologischen Centrums Bethanien (CCB). Sie besteht seit 11. Januar 1996. Angefangen hatte man damals mit Joachim Kreuzer (Abteilungsleiter) und Dr. Sabine Müssig. Heute besteht sie aus einem engagierten Team aus vier Ärzten und sechs Krankenschwestern und Kardiotechnikern.

Was ist eigentlich ein Schrittmacher?

Während Medikamente oft nur kurzfristig helfen, kann ein Schrittmacher langfristig die Reizbildung und die Schlagfolge Ihres Herzens korrigieren.
Ein Schrittmacher ist ein kleines, nur wenige Gramm schweres, programmierbares Gerät, das immer dann einspringt, wenn Ihr Herz einen "Aussetzer" hat und Ihrem Arzt eine Vielzahl von Informationen über die Funktion Ihres Herzens gibt.

Unterschiedliche Schrittmacher bei unterschiedlichen Erkrankungen
Zur Zeit gibt es mehr als 150 verschiedene Schrittmacher-Modelle von 7 Spezialfirmen. Sie sind heute technisch so ausgereift, daß man eine Funktionszeit von 10 Jahren ausrechnen kann. Diese mathematische (theoretische) Lebensdauer eines Schrittmachers ist meist noch ein Wunschtraum für den Patienten und den Arzt. Jedoch konnten die Schrittmacherbatterien in den letzten Jahren tatsächlich so enorm verbessert werden, daß man von einer ungestörten Stimulation des Herzens für eine Zeitdauer von 5-8 Jahren ausgehen kann.
Welchen Schrittmacher der Patient erhält, entscheidet die Schrittmacherambulanz jeweils nach der Art der Erkrankung und den sonstigen Gegebenheiten und Erfordernissen.
Heute werden fast nur noch multiprogrammierbare "Demand"-Schrittmacher implantiert. Bei diesen Geräten kann man von außen, also schmerzfrei durch die Haut, ohne jeden Eingriff den Schrittmacher auf die Bedürfnisse des jeweiligen Herzens einstellen.

Der hier gezeigte nur 18 Gramm leichte Herzschrittmacher (44 x 52 x 6 mm) ist ein multiprogrammierbarer Zweikammerschrittmacher für die Herzvorhof- und Herzkammerstimulation. Die geringen Abmessungen dieses kleinen Herzschrittmachers tragen zum verbesserten Wohlbefinden des Patienten bei.
Die weitreichenden Programmiermöglichkeiten bieten im Verbund mit den systemspezifischen und patientendiagnostischen Daten ein außergewöhnliches Informationsspektrum für den nachbehandelnden Arzt.
Bei diesem Schrittmacher können mit einem Programmiergerät mehr als tausend Einstellungen gewählt werden. Darüber hinaus hat man mit diesem System gleichzeitig die Möglichkeit, alle Herzschläge monatelang aufzuzeichnen und so beispielsweise die Wirksamkeit von Medikamenten zu überwachen. Ähnlich komplexe Schrittmacher bieten alle führenden Spezialfirmen.

Frequenzadaptierende Herzschrittmacher beschleunigen den Herzschlag nach der Belastung und ermöglichen somit eine größere Leistungsfähigkeit des Patienten. Die Systeme werden durch die Atmung, durch Muskelaktivitäten und durch Veränderungen in der EKG-Kurve gesteuert.

Etwa 60-70% der Patienten können einen "physiologischen" Schrittmacher erhalten. Bei diesen Schrittmachern wird sowohl im Vorhof als auch in der Herzkammer eine Elektrode implantiert. Es sind eigentlich zwei Schrittmacher in einem Gerät.
Bei gestörter Vorhoffunktion (z.B. bei permanentem Vorhofflimmern) oder bei sehr seltenen langsamen Rhythmusstörungen wird ein Einkammer-Schrittmacher eingesetzt.

Für welche Patienten ist ein Schrittmacher angezeigt?
Sie haben einen langsamen Pulsschlag. Das führt dazu, daß Sie unter lästigen Schwindelanfällen, Luftnot, Wassereinlagerungen, Herzstottern oder Bewußtlosigkeiten leiden. Ihr Leben wird ganz erheblich durch die stetige Ungewißheit und Sorge aufgrund dieser Bedrohungen beeinträchtigt. Die Implantation eines Schrittmachers ist nicht nur lebensverlängernd, sondern bedeutet für Sie eine ganz wesentliche Verbesserung der Lebensqualität.
Bei einigen Patienten wird auch vorbeugend ein Schrittmacher eingesetzt, wenn ein hohes Risiko für zu langsamen Herzschlag besteht.

Biventrikuläre Schrittmacher / Resynchronisationstherapie
Zur Behandlung der Herzschwäche stehen seit kurzer Zeit spezialisierte Schrittmachersysteme zur Verfügung. Solche Aggregate können bei einzelnen Patienten mit fortgeschrittener Herzschwäche und bestimmten EKG-Kriterien (Linksschenkelblock mit deutlicher Verbreiterung des QRS-Komplexes) eingesetzt werden. Hierbei wird zur kardialen Resynchronisationstherapie ein sogenannter biventrikulärer Schrittmacher implantiert. Die Besonderheit dieser Aggregate liegt darin, dass nicht wie bei einem gewöhnlichen Schrittmacher nur Elektroden im rechten Herzen implantiert werden. Vielmehr erfolgt auch eine Erregung der linken Herzkammer. Dazu wird über spezielle Führungskatheter und Führungsdrähte eine Spezialelektrode in eine Herzvene im Bereich der linken Herzkammer implantiert.
Diese Implantationen sind besonders aufwendig. Sie werden in der Regel im Herzkatheterlabor durchgeführt, da eine spezielle Durchleuchtung benötigt wird.

Implantierbarer Kardioverter Defibrillator (ICD)
Der implantierbare Defibrillator Kardioverter dient zur Behandlung ventrikulärer Arrhythmien und insbesondere des plötzlichen Herztodes. Diese Geräte erkennen, wenn das Herz zu langsam schlägt (Schwindel und Bewusstlosigkeit) oder viel zu schnell wird (lebensbedrohliches Herzrasen). Dann werden entweder elektrische Impulse abgegeben, die den Abfall der Herzfrequenz verhindern. Oder, wenn das Herz zu schnell schlägt werden kräftigere Stromstöße abgegeben, um das Herzrasen zu stoppen. Das Herz kann dann wieder genug Blut pumpen, der Kreislauf bleibt stabil. Mittlerweile stehen diese Systeme auch in Kombination mit einem biventrikulären Schrittmacher als sogenannter biventrikulärer ICD zur Verfügung.

Hier sehen Sie ein nur 76 g schweres ICD-Gerät.

Patienten, die für eine ICD-Implantation in Frage kommen sind solche, die bereits einmal aufgrund einer malignen Herzrhythmusstörung reanimiert werden mussten, sofern diese nicht z.B. durch einen akuten Myokardinfarkt oder eine Elektrolytstörung hervorgerufen wurde. Weiterhin können diese Aggregate auch vorsorglich bei Patienten implantiert werden, die aufgrund verschiedener Kriterien als Hochrisikopatienten für einen plötzlichen Herztod identifiziert wurden.

Die Defi-Selbsthilfegruppe des CCB trifft sich jeden zweiten Monat.