Renale Denervation – ein neuartiges kathetergesteuertes Verfahren zur Behandlung des therapierefraktären Bluthochdrucks (Hypertonie)

Was bedeutet „renale Denervation“?

Die renale Denervation stellt ein neuartiges Verfahren zur Behandlung des therapierefraktären / schwer einstellbaren Bluthochdrucks dar. Dabei werden zielgerichtet sympathische Nervenfasern der Niere, die für die Entstehung von Bluthochdruck mitverantwortlich sind, durchtrennt (“renale Denervation”). Dieser Eingriff wird über einen speziellen Katheter mit Hilfe von Hochfrequenzstrom-Energie durchgeführt.

Was bedeutet therapierefraktärer Bluthochdruck?
Als therapierefraktär bezeichnet man eine Bluthochdruck-Erkrankung, wenn der mittlere Blutdruck trotz der Einnahme von mindestens 3 blutdrucksenkenden Medikamenten nicht in den Zielbereich einstellbar ist.

Wie entsteht Bluthochdruck?
Bluthochdruck hat unterschiedliche Ursachen. In den meisten Fällen besteht eine primäre, “essentielle” Hypertonie, bei der keine direkte Ursache gefunden werden kann. Das sympathische Nervensystem steuert gemeinsam mit seinem Gegenspieler, dem parasympathischen Nervensystem, die Funktion menschlicher Organsysteme. An der Niere kommt den sympathischen Nervenfasern eine zentrale Bedeutung in der Bluthochdruck-Entwicklung zu.

Warum ist eine Behandlung des Bluthochdrucks notwendig?

Bluthochdruck ist einer der am meisten unterschätzten Risikofaktoren für alle Herz-Kreislauferkrankungen. Ein wesentlicher Grund für die Notwendigkeit dieser Behandlung liegt in der Entwicklung eines sogenannten End-Organschadens bei sehr lange bestehendem Bluthochdruck. End-Organe sind insbesondere das Herz, die Nieren und die Gefäße. Es kann durch einen bestehenden Bluthochdruck zu einer Herzleistungsschwäche, zu Nierenfunktionsstörungen bis hin zur Dialysepflichtigkeit, aber auch zu Schlaganfällen kommen.

Sind Voruntersuchungen notwendig?
In der Regel wird vor dem Eingriff eine Darstellung der Nierengefäße durchgeführt, um die anatomischen Verhältnisse im Vorfeld zu klären. Dies geschieht zum Beispiel mit einer Kernspintomographie oder einer Computertomographie.

Wie erfolgt die Behandlung?

Der Eingriff wird im Herzkatheterlabor durchgeführt. Über die Leistenarterie wird ein Spezial-Katheter unter Durchleuchtungskontrolle bis zu den Nierenarterien vorgeschoben. Es handelt sich um einen Katheter, der an seiner Elektrodenspitze Hochfrequenz-Energie abgibt. Die Behandlung beginnt nahe der Gefäßteilung vor der Niere und wird an mehreren (meist vier bis sechs) Stellen entlang des Gefäßes in Richtung Bauchschlagader durchgeführt. An jeder Stelle verbleibt der Katheter für ca. zwei Minuten, um Energie abzugeben und so die sympathischen, autonomen Nervenfasern zu unterbrechen. Es werden in der Regel beide Nierenarterien behandelt. Der Eingriff dauert insgesamt etwa 45 – 60 Minuten.

Muss ich nach dem Eingriff im Krankenhaus bleiben?
Zu Ihrer Sicherheit und zur Kontrolle Ihres Befindens nach dem Eingriff sollte sich ein kurzer Krankenhausaufenthalt anschließen.

Wie erfolgversprechend ist die Therapie?

Die Ergebnisse dieser Behandlungsform wurden in wissenschaftlichen Studien veröffentlicht. Der mittlere Blutdruck konnte von etwa 180/100mmHg (trotz 4-5 Medikamenten) um durchschnittlich 27mmHg gesenkt werden. Die Nierenfunktion blieb dabei vollständig erhalten. Es liegen bislang Daten vor, die den blutdrucksenkenden Effekt für den Zeitraum von mindestens 12 Monaten nachweisen. Darüber hinaus werden auch günstige Effekte auf den Zuckerstoffwechsel diskutiert.

Welche Risiken bestehen?

Es bestehen die allgemeinen Risiken einer Katheteruntersuchung: So kann es zum Beispiel nach Punktion der Leiste zu Nachblutungen oder Bildung von Blutergüssen kommen. Die Verletzung von Nerven oder des Gefäßes mit Entstehung einer Gefäßaussackung, ein sogenanntes Aneurysma spurium, oder einer Fistel zwischen Arterie und Vene sind möglich. In seltenen Fällen kommt es zu einer Gefäßverletzung an anderer Stelle, wie etwa der Bauchschlagader oder der Nierenarterie. Allergische Reaktionen auf das Kontrastmittel können auftreten. Nach Abgabe von Hochfrequenzstrom in den Nierenarterien sind Veränderungen mit Verengung des Gefäßes denkbar. Eine Verschlechterung der Nierenfunktion kann, insbesondere bei schon niereninsuffizienten Personen, eintreten.

Wie bei jedem neuen Therapieverfahren können bisher nicht bekannte Langzeitrisiken auftreten. Mit einer engmaschigen Kontrolle im CCB wird der Erfolg der Behandlung dauerhaft überprüft. Im aktiven Dialog begleiten die im CCB tätigen Elektrophysiologen die weitere Entwicklung dieses jungen, erfolgversprechenden Verfahrens.