Offenes / Persistierendes Foramen ovale (PFO)

Das Foramen ovale ist ein wichtiger Bestandteil des embryonalen Kreislaufes. Da die Sauerstoffversorgung im Mutterleib über die Nabelschnur erfolgt, wird die Lunge im vorgeburtlichen Kreislauf nicht für die Sauerstoffversorgung benötigt. Durch eine Verbindung zwischen beiden Vorkammern oder Vorhöfen wird das Blut direkt vom rechten in den linken Vorhof, und damit an der Lunge vorbei geleitet. Diese Verbindung ist das Foramen ovale. Bei der Geburt entfaltet sich die Lunge und das Foramen ovale verschließt sich. Dies geschieht durch das Verwachsen zweier Membranen welche die Trennwand zwischen beiden Vorhöfen bilden: Das Septum primum und das Septum secundum. Diese Trennwand wird auch interatriales Septum genannt. Jetzt fließt das Blut vom rechten Vorhof über die rechte Kammer (Ventrikel) in die Lungenschlagader (Pulmonalarterie) und weiter in die Lunge. Dort wird es mit Sauerstoff angereichert und fließt über die Lungenvenen (Pulmonalvenen) in den linken Vorhof. Von dort gelangt es über die linke Kammer und die Hauptschlagader (Aorta) in den Körper.
Bei etwa 25 % der Menschen verschließt sich das Foramen ovale nicht vollständig, sondern bleibt als wenige Millimeter große Öffnung erhalten. Dies nennt man persistierendes Foramen ovale, abgekürzt PFO. Bei der überwiegenden Mehrzahl der Menschen mit einem solchen PFO kommt diesem keine Bedeutung zu und es verursacht keinerlei Beschwerden. Daher ist es nicht erforderlich, routinemäßig nach einem PFO zu suchen.

Schlaganfall und persistierendes Foramen ovale

Jährlich erleiden in Deutschland etwa 200.000 Menschen einen Schlaganfall (Apoplex). Hierzu zählt auch eine vorübergehende Durchblutungsstörung des Gehirns ohne bleibende Beeinträchtigung, eine sogenannte transitorische ischämische Attacke (TIA). Etwa ein Drittel dieser Patienten sind jünger als 65 Jahre. Bei älteren Patienten entstehen Schlaganfälle meist auf dem Boden von Gefäßerkrankungen (Arteriosklerose). Weitere Ursachen können eine Embolie aus dem linken Vorhof bei Vorhofflimmern, ein ausgeprägter hoher Blutdruck (Hypertonus) oder Gerinnungsstörungen sein. Bei den jüngeren Patienten kann oft keine klare Ursache für den Schlaganfall gefunden werden, sogenannter „kryptogener Schlaganfall“. Dies ist bei mehr als einem Drittel der jungen Erwachsenen unter 55 Jahren der Fall. Bei diesen Patienten findet sich in etwa der Hälfte ein persistierendes Foramen ovale. Aber auch bei älteren Patienten mit einem kryptogenen Schlaganfall wurden vermehrt PFOs nachgewiesen.
Bei Patienten mit einem offenen Foramen ovale, die einen Schlaganfall erlitten haben konnte gezeigt werden, dass das PFO im Durchschnitt größer ist und der Blutübertritt stärker ausgeprägt ist als bei Patienten mit PFO ohne Schlaganfall.

Wie ist dieser Zusammenhang zu erklären?
Der Blutstrom aus der unteren Körpervene (Vena cava inferior) kann durch eine klappenähnliche Struktur im rechten Vorhof, der Eustachischen Klappe, gegen die Vorhoftrennwand, das interatriale Septum, gelenkt werden. Hier befindet sich das Formaen ovale. Kommt es jetzt zu einer Drucksteigerung im rechten Vorhof über den Druck im linken Vorhof, so kann sich das PFO wie eine Schwingtür öffnen und den Weg vom rechten in den linken Vorhof freigeben. Eine solche Drucksteigerung kann bereits durch Husten, Niesen, tiefes Atmen oder Pressatmung erfolgen.
Sofern sich kleine Blutgerinnsel (Thromben) im Blut befinden, werden diese normalerweise in die Lunge gespült, wo sie in dem weitverzweigten Gefäßsystem keinen Schaden anrichten. Ist jedoch ein PFO vorhanden, können diese kleinen Blutgerinnsel über das PFO vom rechten in den linken Vorhof gelangen. Von dort werden sie dann mit dem Blut in den Körperkreislauf gespült und können eine Embolie mit Gefäßverschluss verursachen. Dies nennt man eine paradoxe Embolie, da das Gerinnsel aus dem Venensystem in das Arteriensystem überwechselt. Im schlimmsten Fall führt dies zu einem Verschluss eines Gehirngefäßes und damit zum Schlaganfall. Aber es können auch Embolien in anderen Gefäßregionen bzw. Organen auftreten wie: Herzkranzgefäßen, Augen, Bauchorganen, Armen oder Beinen.
Darüber hinaus konnte gezeigt werden, dass es bei Tauchern mit PFO, die eine Dekompressionserkrankung erleiden, häufiger zu kleinen unbemerkten Durchblutungsstörungen des Gehirns kommt als bei Tauchern ohne PFO. Ebenso ist bei Patienten mit Lungenembolie und PFO eine erhöhte Rate von Schlaganfällen zu verzeichnen. Auch können Luft- oder Fettembolien bei bestimmten chirurgischen Eingriffen bei Patienten mit PFO zu vermehrten paradoxen Embolien führen. Auch wird kontrovers diskutiert, ob ein PFO-Verschluss zu einer Abnahme von Migräne-Attacken führt.

Aneurysma des Vorhofseptums

Die Trennwand zwischen rechtem und linkem Vorhof kann auch eine Aussackung aufweisen. Sofern die Beweglichkeit mehr als 10 mm beträgt, spricht man von einem Aneurysma des interatrialen Septums, bzw. einem Vorhofseptumaneurysma. Solch ein Vorhofseptumaneurysma allein hat keinen Krankheitswert. Kommen allerdings das Vorhofseptumaneurysma und das persistierende Foramen ovale gemeinsam vor, so ist das Risiko für eine paradoxe Embolie deutlich erhöht. Man vermutet, dass durch das Aneurysma vermehrt kleine Gerinnsel aus dem rechten Vorhof in das offene Foramen ovale gelenkt werden und das Vorhofseptumaneurysma eine verlängerte Öffnungsdauer des PFO zur Folge hat.

Bild 1 Darstellung eines Aneurysmas des Vorhofseptums im transösophagealen Echokardiogramm (Schluckecho): Das Vorhofseptum (Pfeil) wölbt sich leicht in den rechten Vorhof vor
Bild 2 Bei Druckerhöhung im rechten Vorhof, z.B. durch Husten oder Pressen, kommt es zu einer ausgedehnten Auslenkung des sehr beweglichen Vorhofseptums in den linken Vorhof hinein (Pfeile). Der rechte Vorhof ist hier teilweise mit Echokontrast gefüllt. Der Kontrastübertritt durch das gleichzeitig vorhandene PFO ist hier nicht zu sehen

Diagnostik des persistierenden Foramen ovale

Das PFO wird mittels einer Herz-Ultraschalluntersuchung (Echokardiographie) nachgewiesen. In der „normalen“ Untersuchung von außen (transthorakale Echokardiographie) ist das PFO aufgrund seiner geringen Größe nicht zu erkennen. Durch die Gabe von Echokontrastmittel kann man allerdings manchmal den Übertritt von Kontrastbläschen von rechts nach links nachweisen. In seltenen Fällen können auch Bläschen verzögert über andere Wege vom rechten in das linke Herz gelangen, so z.B. über die normale Lungenstrombahn oder über Gefäßfisteln in der Lunge.
Die Methode der Wahl um ein PFO zu diagnostizieren ist die transösophageale Echokardiographie (Schluckecho). Die Speiseröhre verläuft direkt hinter den Vorhöfen, so dass das Vorhofseptum aus der Nähe in sehr guter Auflösung untersucht werden kann. Auch hierbei wird Echokontrastmittel in die Vene gespritzt, um den Kontrastübertritt vom rechten in den linken Vorhof nachzuweisen. Mit dieser Untersuchung kann auch nach anderen Embolieursachen wie Gerinnseln im linken Vorhofohr gesucht werden.

Bild 1 Darstellung des Vorhofseptums mit dem transösophagealen Echo
Bild 2 Nach Gabe eines Echokontrastmittels ist der gesamte rechte Vorhof weiß angefärbt. Man erkennt den kräftigen Kontrastmittelübertritt durch das PFO in den linken Vorhof (Kreis)

Interventioneller PFO-Verschluss

Das PFO wird mit einem sogenannten „Schirmchen“ oder „Occluder“ verschlossen. Dieses besteht aus zwei elastischen Scheiben, die über einen Steg miteinander verbunden sind. Je nach Anatomie stehen verschiedene Modelle und Größen zur Verfügung. Durch das PFO hindurch wird die eine Scheibe auf die linke Seite des Vorhofseptums und die andere auf die rechte Seite platziert. Der Steg liegt im PFO. Hierdurch greift der Occluder das Vorhofseptum zwischen beiden Schirmen und verschließt das PFO. Das Schirmchen wird in den folgenden Tagen und Wochen von körpereigenem Bindegewebe überzogen und wächst damit in das Vorhofseptum ein.
Für den Verschluss des PFO wird die Vene in der rechten Leiste punktiert. Von dort führt man einen Katheter in den rechten Vorhof vor. Hier kann das Foramen ovale mit Kontrastmittel dargestellt werden. Auch ein transösophageales Echokardiogramm kann erforderlich sein. Unter Röntgenkontrolle wird jetzt mit dem Katheter das PFO sondiert und ein weicher Führungsdraht in die linke obere Lungenvene vorgebracht. Anschließend wird dieser über den Katheter gegen einen steifen Führungsdraht ausgewechselt. Über diesen Führungsdraht wird jetzt die eigentliche Schleuse zur Platzierung des Schirmchens über das in den linken Vorhof vorgeschoben. Das zusammengefaltete Schirmchen wird jetzt durch diese Schleuse soweit vorgeführt, dass sich der erste, linksseitige Schirm im linken Vorhof entfalten kann. Dann wird die Schleuse mit dem Schirm an das Vorhofseptum zurück gezogen, so dass der Schirm jetzt an der linken Seite des Vorhofseptums anliegt. Jetzt wird die Schleuse auf die rechte Seite zurück gezogen, und dort der zweite, rechtsseitige Schirm freigesetzt. Die Lage und Dichtigkeit werden jetzt durch Röntgen und durch Ultraschall mit Kontrastmittelgabe überprüft. Erst dann wird das Schirmchen von seiner Halterung gelöst.

Bild 1 Der PFO-Occluder ist im PFO platziert, aber noch mit dem Führungsmandrin verschraubt
Bild 2 Der Occluder ist in korrekter Position freigesetzt
Bild 3 Nach Kontrastmittelgabe ist kein Kontrastmittelübertritt in den linken Vorhof mehr nachweisbar
Bild 4 Schema eines implantierten Occluders
Bild 5 Beispielhafte Darstellung des Amplatzer PFO-Occluders

Fallbeispiel

Beispiel eines Patienten mit mehreren Defekten im Vorhofseptum.

Bild 1 Nach Platzierung eines PFO-Occluders zeigt sich noch ein Kontrastmittelübertritt in den rechten Vorhof (Pfeil). Hier besteht ein zweiter Defekt, sog. multiperforiertes Septum, welcher vorher nicht erkennbar war
Bild 2 Der zweite Defekt wird ebenfalls sondiert und ein zweiter Occluder implantiert. Auf der Abbildung ist der linksseitige Schirm (Pfeil) geöffnet und positioniert. Die Schleuse liegt im rechten Vorhof
Bild 3 Das zweite Schirmchen ist vollständig implantiert und umfasst den ersten Occluder. Das Septum ist jetzt vollständig verschlossen

Nachbehandlung

Nach der Implantation eines PFO-Occluders muss ASS (Acetylsalicylsäure, Aspirin®) für sechs Monate gegeben werden. Für vier Wochen erfolgt eine zusätzliche Plättchenhemmung mit Clopidogrel. Eine Endokarditisprophylaxe muss für ein Jahr beachtet werden. Nach sechs Monaten erfolgt eine Nachkontrolle mittels transösophagealer Echokardiographie.

Ergebnisse des PFO-Verschlusses

Weltweit wurden bereits etwa 200.000 interventionelle PFO-Verschlüsse durchgeführt. Im CCB selbst wurden schon über 1000 PFOs interventionell verschlossen. Mit den zur Verfügung stehenden Schirmsystemen können bei sehr geringem Risiko Verschlussraten von über 95 % erzielt werden. Studiendaten zeigen, dass nach 10 Jahren 96 % der Patienten kein weiteres cerebrales Ereignis oder eine weitere arterielle Embolie erleiden (Wahl A, Heart 2008;94:336). Nach Studiendaten ist der interventionelle PFO-Verschluss einer dauerhaften medikamentösen Blutverdünnung zumindest gleichwertig, wenn nicht sogar überlegen (Homma S. Circulation 2005;112:1063-1072). Eine Zusammenstellung verschiedener Studien, welche allerdings interventionellen Verschluss und medikamentöse Behandlung nicht direkt verglichen, ergab für die medikamentöse Behandlung ein jährliches Schlaganfallrisiko von 1,98 %. Demgegenüber hatte Patienten mit interventionellem PFO-Verschluss ein jährliches Schlaganfallrisiko von 0,19 %.

Alternative Behandlungsmöglichkeiten

Eine alternative Behandlungsmöglichkeit besteht in der Plättchenhemmung durch ASS, wobei der Stellenwert dieser Therapie nicht endgültig geklärt ist. Daher wird als Alternative zum PFO-Verschluss eine Blutverdünnung mit Phenprocoumon (Marcumar®) eingesetzt. Neben der erforderlichen Blutentnahmen zur Steuerung der Behandlung muss hierbei allerdings bedeutsamen Blutungen bei 1-2 % der Patienten pro Jahr gerechnet werden. Schließlich kann auch ein operativer Verschluss des PFO durch einen herzchirurgischen Eingriff erfolgen. Diese Therapieoption wird allerdings in den seltesten Fällen eingesetzt.

Indikationen zum interventionellen PFO-Verschluss

  • Nachweis einer Durchblutungsstörung des Gehirns (Schlaganfall / Apoplex oder transitorische ischämische Attacke) oder einer arteriellen Embolie.
  • Ausschluss anderer Ursachen der Durchblutungsstörung / Embolie wie z.B. Gefäßeinengungen oder Vorhofflimmern mit Gerinnselbildung im linken Vorhof.
  • Nachweis eines persistierenden Foramen ovale mit Blutübertritt vom rechten zum linken Vorhof (Rechts-Links-Shunt) im transösophagealen Echokardiogramm.

Komplikationen des interventionellen PFO-Verschlusses

Mögliche, wenngleich sehr seltene Komplikationen des interventionellen PFO-Verschlusses können sein: Herzrhythmusstörungen, Kontrastmittelallergien, Blutungen, Infektionen, Herz- und Gefäßverletzungen, Gerinnselbildungen, Luftembolien mit Herzinfarkt oder Schlaganfall, Verrutschen des Schirmchens und Abgleiten in den Körper. Hierüber informiert ausführlich das entsprechende Aufklärungsblatt.