Mit dem Vorhofohrverschluss-System das Risiko eines Schlaganfalls verringern
Vorhofflimmern und Schlaganfall
Vorhofflimmern bedeutet immer ein erhöhtes Risiko für einen Schlaganfall einher. Zirka 20% aller Schlaganfälle sind durch Vorhofflimmern bedingt.Die Ursache liegt in der der fehlenden mechanischen Kontraktion (Zusammenziehen) der Herzvorkammern (Vorhöfe) im Moment des Vorhofflimmerns. Dadurch kommt es zu einem herabgesetzten Blutfluss in den Herzvorhöfen, was wiederum die Bildung von Blutgerinnseln verursacht. Der Entstehungsort dieser Blutgerinnsel ist in den allermeisten Fällen das sogenannte Vorhofohr. In dieser Aussackung des linken Vorhofs bilden sich mehr als 90% aller Blutgerinnsel im Herzen. Wenn diese aus dem Herzen abschwimmen, können sie Adern im Gehirn verstopfen, und es kommt zum Schlaganfall.
Gerinnungshemmer und Blutungsrisiko
Zur Vermeidung von Embolien empfiehlt man Patienten mit Vorhofflimmern die Einnahme gerinnungshemmender Medikamente in Abhängigkeit von ihrem individuellen Risikoprofil. Das individuelle Risiko wird durch die vorliegenden Begleiterkrankungen festgelegt. Bei einem niedrigen Risiko ist die Gabe von ASS ausreichend, bei höherem Risiko muss Phenprocoumon (z. B. Marcumar®) gegeben werden.
Hierdurch steigt allerdings auch das Risiko für eine Blutung, insbesondere eine Gehirnblutung. Das Risiko einer Gehirnblutung unter der Einnahme von Pheprocoumon liegt bei 0.6% pro Jahr.
Bei einigen Patienten mit einem erhöhten Blutungsrisiko kann daher keine gerinnungshemmende Therapie verabreicht werden, obwohl ein erhöhtes Risiko für einen Schlaganfall besteht.
Die Alternative zur medikamentösen Gerinnungshemmung: Ein Vorhofohr-Verschluss-System
Für Patienten, die kein Marcumar® nehmen können, besteht nun eine Therapiealternative in Form eines Vorhofohr-Verschluss-Systems.
Im Prinzip wird ein kleiner mit einer Kunststoffmembran bespannter Metallschirm in das linke Vorhofohr eingebracht und mit Widerhaken befestigt (Abbildung 1). Dadurch wird der Blutstrom in und aus dem Vorhofohr blockiert, und es können keine Gerinnsel mehr abschwimmen. Es hat sich gezeigt, dass diese Therapie einer medikamentösen, gerinnungshemmenden Therapie zur Vermeidung von Schlaganfällen nicht unterlegen ist (Holmes DR et al. Lancet 2009; 374: 534–42).

- Vorhofohr-Verschluss-System
Implantation eines Vorhofohr-Verschluss-Systems
Die Implantation wird im Herzkatheterlabor in einer leichten Narkose durchgeführt. Über die große Vene in der Leiste wird ein Katheter zum Herzen vorgebracht und unter Röntgensicht die Vorhofscheidewand passiert (transseptale Punktion). Es erfolgt dann die Darstellung des Vorhofohres mittels Kontrastmitteleinspritzung (Animation) Unter ständiger Röntgensicht und Kontrolle mittels Ultraschall (transösophageale Echokardiografie; „Schluckecho“) wird das passende Verschluss-System im linken Vorhof platziert und entfaltet. Mittels Widerhaken krallt es sich ins Muskelgewebe und wächst über Wochen vollständig ein.
Kontrolluntersuchungen
Nach 6 Wochen sollte eine Kontrolluntersuchung mittels Ultraschall erfolgen, um den Sitz des Systems zu überprüfen. Hierbei zeigt sich dann auch, ob das System vollständig mit Herzinnenhaut überwachsen wurde. Die gerinnungshemmende Medikation kann dann beendet werden.
Wer ist für einen solchen Eingriff geeignet?
Die Implantation eines Vorhofohr-Verschluss-Systems ist für Patienten vorgesehen, die gerinnungshemmende Medikamente (Marcumar) nicht nehmen können, weil sie entweder Begleiterkrankungen haben, die das Risiko einer Blutungskomplikation steigern oder bereits eine Blutungskomplikation hatten.
