Was geschieht mit mir bei der Herzkatheteruntersuchung?

Wenn alles besprochen ist, werden Sie zur Herzkatheter-Untersuchung vorbereitet: Ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin vom Pflegepersonal rasiert zunächst den Leistenbereich, der anschließend desinfiziert wird. Sie erhalten vor dem Einstich eine örtliche Betäubung, sind aber ganz bei Bewusstsein und natürlich ansprechbar. Ihre aktive Mitarbeit ist auch absolut erwünscht, denn der Arzt, der die Herzkatheter-Untersuchung bei Ihnen durchführt, wird Sie immer wieder einmal auffordern, tief einzuatmen und kurz die Luft anzuhalten, um die Untersuchung zu unterstützen. Sie können während des Eingriffs jederzeit mit dem Arzt oder der Schwester beziehungsweise mit dem Pfleger sprechen. Wenn Sie möchten, kann im Katheterlabor auch Musik eingespielt werden. Sollten Sie besonders nervös sein, können Sie mit dem Arzt darüber sprechen ob es sinnvoll ist, ein Beruhigungsmittel zu geben.

Dann geht es los: In örtlicher Betäubung wird dann vom Arzt, der den Eingriff durchführt, eine Schlagader in der Leiste, der Ellenbeuge, oder am Handgelenk punktiert. Trotz der Betäubung nehmen manche Patienten noch einen Stich war. In die Ader wird eine Schleuse mit Dichtung eingelegt, so dass nacheinander verschiedene Katheter eingeführt werden können, ohne dass es zu einem Blutverlust kommen kann. Durch die Schleusen werden die Katheter, die einen Durchmesser von 1,3 bis 2,5 mm haben, durch die große Bauchschlagader (Aorta) bis in die linke Herzkammer und zu den Abgängen der Herzkranzgefäße vorgeschoben. Die Lage des Katheters wird mittels Röntgendurchleuchtung kontrolliert. In manchen Fällen gelingt es nicht, durch die zunächst für den Zugang gewählte Arterie das Herz zu erreichen. Dann kann es erforderlich sein, einen anderen Zugang zu wählen. Wenn erforderlich, wird ein zweiter Katheter über eine Vene (ebenfalls in der Leistenbeuge oder in der Ellenbeuge sowie in Ausnahmefällen auch über die Halsvenen) in die rechte Herzkammer und die Lungenschlagader vorgeschoben. Von diesen Maßnahmen verspüren Sie nur den Einstich und ein leichtes Druckgefühl.
Nachdem man mit dem Katheter die Herzkranzgefäße aufgesucht hat, werden die Koronararterien mittels Kontrastmittelinjektion unter Röntgendurchleuchtung dargestellt.
Die Bildbeobachtung erfolgt auf einen Fernsehmonitor, die spätere Dokumentation auf CD.

Während der Aufnahme können Sie ein nur einige Sekunden anhaltendes Hitzegefühl durch das eingespritzte Kontrastmittel verspüren.
In manchen Fällen ist es zusätzlich erforderlich, in verschiedenen Abschnitten des Herzens den Blutdruck zu messen und die Sauerstoffsättigung des Blutes zu überprüfen. Manchmal ist es auch erforderlich (zur Abklärung von Herzklappenfehlern) die linke Vorkammer zu untersuchen. Hierzu wird die Vorhofscheidewand mit einer dünnen Nadel punktiert und anschließend ein Katheter in die linke Vorkammer vorgeschoben. Bei bestimmten Herzmuskelerkrankungen kann es erforderlich sein, eine Gewebsprobe (Myokardbiopsie) zu entnehmen.

Der diagnostische Eingriff ist hiermit abgeschlossen. Die Katheter werden entfernt und der Eingriff wird beendet.

Das Ergebnis der Herzkatheter-Untersuchung liegt vor:

Alles ok

Bei dem Eingriff kann sich herausstellen, dass Ihre Beschwerden nicht auf eine Herzkranzgefäßkrankheit zurückzuführen sind. Dann sind keine therapeutischen Maßnahmen am Herzen und an den Herzkranzgefäßen erforderlich.

Eine Koronarintervention (Behandlung mittels Herzkatheter) ist notwendig.

Es ist aber auch möglich, dass bei der Herzkatheteruntersuchung Einengungen oder Verschlüsse Ihrer Herzkranzgefäße festgestellt werden, die mit Hilfe der Ballondilatation und Stentimplantation angegangen werden können. Eine solche Behandlung kann meist direkt im Anschluss an die diagnostische Herzkatheter-Untersuchung und Koronarangiographie durchgeführt werden, solange die Katheter noch in Ihren Gefäßen liegen.
Dies hat den Vorteil, Ihnen Belastungen und Risiken eines zweiten Eingriffes zu ersparen. Deshalb werden in unserem Aufklärungsbogen nicht nur die Herzkatheteruntersuchung und Koronarangiographie, sondern auch die Ballondilatation, die Stentimplantation, und andere verwandte Verfahren besprochen.
Haben Sie, bitte, Verständnis dafür, dass wir im Aufklärungsbogen aus juristischen Gründen auch Risiken ansprechen müssen, die extrem gering sind und sich nur in einem von 1.000, 10.000 oder gar 100.000 Fällen verwirklichen.

Ballonkatheter
Ballonkatheter

Was ist eine Ballondilatation (PTCA)?

Das erkrankte Herzkranzgefäß wird mit einem Führungskatheter aufgesucht (wie bei der Koronarangiographie). Dann wird die Engstelle mit einem ganz feinen und flexiblen Führungsdraht, der einen Durchmesser von einem Drittel Millimeter besitzt, sondiert und die verengte Stelle passiert. Über diesen Draht wird ein Ballonkatheter unter Röntgenkontrolle bis in die Engstelle vorgeschoben und dort mit einer Kontrastmittel enthaltenden Spritze so aufgeweitet, dass er eine zylindrische Gestalt annimmt. Der Durchmesser des entfalteten Ballons beträgt 1,5-5,0 mm und die Länge 1-4 cm.
Im Allgemeinen kommt es nach einer Ballondilatation zu einer Besserung der pectanginösen Beschwerden. Die Belastbarkeit wird besser. Es ist jedoch nicht auszuschließen, dass es im Verlauf von einigen Wochen bis Monaten wieder zu einer Verengung des Herzkrankzgefäßes an der mit dem Ballon gedehnten oder mit einem Stent versorgten Stelle kommt. Dies macht sich meist durch erneute pectanginöse Beschwerden oder aber eine Verminderung der Leistungsfähigkeit bemerkbar. Das Risiko ist stark von den individuellen anatomischen Gegebenheiten abhängig. Im Durchschnitt liegt es in unserer Klinik maximal zwischen 15 und 20%, das heißt ein erneuter Eingriff ist lediglich bei jedem 5. bis 6. Patienten erforderlich. Die Behandlung kann denn auch in fast allen Fällen erfolgreich wiederholt werden. Es ist jedoch auf Dauer nicht ausgeschlossen, dass später eine Bypassoperation erforderlich wird, sei es weil es immer wieder zu Verengungen an derselben Stelle kommt, oder weil die Krankheit an anderen Abschnitten des Herzkranzsystems fortschreitet.
Oft wird anschließend an die Ballondilatation über den selben Führungsdraht und durch den selben Führungskatheter eine Stentimplantation durchgeführt:

Stent
Stent

Was ist eine Stentimplantation?

Der Stent ist ein netzartiges Metallröhrchen, das auf einen zusammengefalteten Ballon montiert ist. Der auf dem Ballon befindliche Stent wird unter Röntgenkontrolle bis in die Engstelle vorgeschoben und dort zusammen mit dem Ballonkatheter aufgedehnt. Dadurch entfaltet sich das Drahtgeflecht des Stents und wird in die Gefäßwand gedrückt. Es haftet dort fest und stabil, wenn der Ballonkatheter wieder abgesaugt und danach zurückgezogen wird. In vielen Fällen kann man den Stent primär einsetzen, ohne vorherige Ballondehnung. Es gibt verschiedene Stentmodelle, manche sind mit passiver, manche mit aktiver Beschichtung versehen, (das heißt der Stent setzt über einen bestimmten Zeitraum Medikamente frei). Welcher Stent für Sie im einzelnen in Frage kommt, richtet sich nach der individuellen Situation und den anatomischen Gegebenheiten.

Was ist eine Behandlung mit dem Rotablator?

In ganz seltenen Fällen ist es erforderlich, verkalkte Stenosen mit einem Bohrkatheter zu behandeln (Rotablator). Dabei wird über einen Führungsdraht ein mit Diamantensplittern besetzter Bohrkopf (Umdrehungszahl 150.000 bis 200.000 U/Min) in die verkalkte Engstelle vorgeschoben, um die Verkalkungen zu beseitigen. Anschließend kann dann in üblicher Weise eine Ballondilatation oder auch eine Stentimplantation erfolgen. Die Risiken sind im Prinzip die gleichen wie bei der Ballondilatation und der Stentimplantation.

Es muss operiert werden

Andererseits kann sich ergeben, dass eine Bypass-Operation oder ein Herzklappenersatz notwendig ist. Dann dient die Herzkatheteruntersuchung als Grundlage für die Planung des operativen Eingriffes.

Was ist eine Elektrophysiologische Untersuchung?

Elektrophysiologische Untersuchungen werden ebenfalls mittels Herzkatheter durchgeführt. Bitte informieren Sie sich zu diesem Thema bei Diagnose und Behandlung von Herzrhythmusstörungen/ Elektrophysiologie.

Was ist eine Rechtsherzkatheter-Untersuchung?

Mit dem Rechtsherzkatheter werden die Blutdruckwerte in den großen Venen, der rechten Vorkammer, der rechten Herzkammer und der Lungenschlagader gemessen. Dabei werden auch Blutproben (jeweils etwa 2 ml) entnommen, um die Sauerstoffsättigung des Blutes in den verschiedenen Abschnitten des Herz-Kreislaufsystems zu ermitteln. Auf diese Weise erhält man verschiedene Aufschlüsse über die Kreislaufsituation (Herzzeitvolumen, d. h. die Menge Blutes, die pro Zeit pro Minute durch den Kreislauf fließt, Shuntvolumina, d. h. Blutfluß durch Kurzschlussverbindungen wie Vorhofseptumdefekt, Ventrikelseptumdefekt und offener Ductus Botalli, funktionelle Bedeutung von Herzklappenfehlern). Von der Rechtsherzkatheteruntersuchung können Sie gelegentlich ein Herzstolpern (Extraschläge) verspüren. Spezielle Risiken sind damit nicht verbunden.

Wie verhalte ich mich nach dem Eingriff?

Bleiben Sie zunächst ruhig auf dem Rücken liegen und halten Sie das betroffene Bein im Hüftgelenk gestreckt (bzw. den Arm) und so lange ruhig, bis der Führungskatheter und das Einführbesteck entfernt wurden. Nach Entfernen der Einführschleuse wird die Punktionsstelle für 10-20 Minuten vom Pflegepersonal von Hand zusammengedrückt, damit sie sich verschließt. Später wird ein Druckverband angelegt. Sie müssen danach für einige Stunden (meist 4-6 Stunden) liegen bleiben und dürfen nicht selbständig, sondern allenfalls nur mit Hilfe wieder aufstehen. Wenn es zu einer Blutung an der Einstichstelle kommt oder sie verstärkt Schmerzen spüren, drücken Sie selbst bitte mit der Hand auf die betroffene Stelle und informieren Sie umgehend die zuständige Schwester/den zuständigen Pfleger, bzw. den zuständigen Arzt. Das gleiche gilt für den Fall, dass es zu einem Taubheitsgefühl oder zu Schmerzen im Arm oder Bein kommt. Körperliche Anstrengungen sollten Sie für 2-3 Tage meiden, um das Nachblutungsrisiko zu vermindern. Bis 24 Std. nach dem Eingriff dürfen Sie auf keinen Fall Fahrrad, Motorrad oder Auto fahren oder Maschinen bedienen. Wenn sich Ihr Befinden akut verschlechtert, stärkere Schmerzen oder größere Schwellungen an der Einstichstelle auftreten, wenn Sie wieder Angina pectoris oder Herzbeschwerden verspüren, oder aber wenn Sie Fieber und Schüttelfrost bekommen, müssen Sie sich unbedingt an den behandelnden Arzt wenden. Wenn der Eingriff ambulant durchgeführt wurde, dürfen Sie keinesfalls mit dem eigenen Auto nach Hause fahren.

Sollten nach einer ambulant durchgeführten Herzkatheter-Untersuchung zu Hause die oben erwähnten Beschwerden auftreten, suchen Sie bitte umgehend die Chest Pain Unit (Herznotfallraum) im CCB am Bethanien-Krankenhaus Telefon 069 4608222 oder im CCB im Markus-Krankenhaus Telefon 069 9533-2378 auf.

In aller Regel spricht nichts dagegen, dass Sie bereits am Tag nach der Untersuchung wieder duschen. Bitte schon Sie dabei die Punktionsstelle noch. Wenn keine Beschwerden bestehen, können Sie nach einer Woche wieder baden, die Sauna aufsuchen und (zunächst leichte) sportliche Betätigung aufnehmen. Tragen Sie aber bitte bis dahin keine schweren Lasten.

Welche Risiken können bei einer Herzkatheter-Untersuchung und bei Koronarinterventionen auftreten?

Die Herzkatheteruntersuchung und Koronarangiographie wird in unserer Klinik seit über 25 Jahren durchgeführt. Es wurden bisher über 100.000 Patienten untersucht.
Das Risiko einer solchen Untersuchung ist insgesamt sehr niedrig, so dass die Eingriffe häufig ambulant durchgeführt werden können. Trotzdem kann es trotz aller Vorsicht zu Zwischenfällen kommen, deren Auftreten auch vom Gesundheitszustand des Patienten und seinem Alter abhängig ist. In Ausnahmefällen können auch lebensbedrohliche bzw. tödliche Komplikationen eintreten. In ausführlichen Gesprächen klären wir unsere Patienten auf und besprechen die geplanten Untersuchungen. Den speziell entwickelten Aufklärungsbogen und die Einverständniserklärung können Sie herunterladen.

Gibt es alternative Verfahren zum Herzkatheter?

Mittels Kernspintomographie und Spiralcomputertomographie - beide Verfahren stehen in unserer Praxis bzw. Klinik zur Verfügung - können Teile der Herzkranzgefäße dargestellt werden. Beide Verfahren sind aber hinsichtlich ihrer diagnostischen Treffsicherheit der Herzkatheter-Untersuchung noch unterlegen.

Welche Möglichkeiten gibt es, koronaren Herzerkrankungen vorzubeugen?

In allen Fällen ist es sinnvoll, behandelbare Risikofaktoren anzugehen. Im Vordergrund steht hier natürlich das Rauchen (Raucher haben ein erheblich höheres Risiko, schon in jungen Jahren an einer koronaren Herzkrankheit zu erkranken als Nichtraucher). Andere behandelbare Risikofaktoren sind z.B. hoher Blutdruck, Fettstoffwechselstörungen, die Zuckerkrankheit, das Übergewicht die mit entsprechenden Medikamenten behandelt werden können und müssen. In erster Linie dienen hierzu Medikamente wie Acetylsalicylsäure (Thrombozytenaggregationshemmung), Cholesterinsynthesehemmer, Betarezeptorenblocker und Antihypertensiva wie ACE Hemmer, AT1 Blocker und Calcium-Antagonisten. Nitroglycerinpräparate zur Behandlung oder Verhütung von anfallsweisen Brustschmerzen (Angina pectoris) werden ebenfalls verwendet, wenn es nötig sein sollte.
Weitere ausführliche Informationen zum Thema Vorbeugende Maßnahmen finden Sie bei Prävention.

Welche Möglichkeiten gibt es, koronaren Herzerkrankungen vorzubeugen?

Die Strahlenbelastung bei einem Kathetereingriff wird so gering wie möglich gehalten. Die Routiniertheit der behandelnden Ärzte sorgt für kurze Bestrahlungszeiten. Aus grundsätzlichen Erwägungen sollte eine solche Untersuchung jedoch während einer Schwangerschaft nur im äußersten Notfall durchgeführt werden.