Gefäß Centrum

Bei allen vier Stadien einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit gilt:

Risikofaktoren eliminieren!

pAVK Stadium I Beschwerdefreiheit

Im Stadium I der pAVK hat man noch keinerlei Beschwerden. Und genau das ist das Tückische an diesem frühen Stadium. Es gilt jetzt, die Erkrankung zu diagnostizieren und umgehend eine Behandlung zu beginnen, um auch gleichzeitig das Risiko eines Herzinfarkts und eines Schlaganfalls zu senken. Aufgrund dieser möglicherweise schwerwiegenden Folgen einer eventuell noch unentdeckten Erkrankung ist es sinnvoll, schon vorbeugend nach Anzeichen einer arteriosklerotischen Veränderung an den peripheren Gefäßen zu fahnden. Das CCB hat deshalb ein Präventionsprogramm entwickelt, das Ihnen die Möglichkeit gibt, eigenverantwortlich und vorausschauend Risikofaktoren abzuklären und die Gefäße zu untersuchen.

So wird Stadium I einer pAVK im CCB festgestellt

Da man in Stadium I einer pAVK trotz bereits auftretender Verengungen der Arterien noch keine Beschwerden verspürt, wissen die Patienten oft noch nichts von ihrer Erkrankung. Sie suchen uns deshalb nicht wegen dieser Erkrankung auf. Die pAVK wird deshalb in der Regel zufällig entdeckt, wenn die Patienten wegen anderer Krankheiten, insbesondere Herzerkrankungen, in die cardioangiologische Praxis kommen.
Da schon im Stadium I das Risiko einen Herzinfarkt zu erleiden höher ist, als für Patienten ohne pAVK, kommt der Früherkennung der pAVK eine immens wichtige Rolle zu. Je früher die Krankheit erkannt wird, desto eher können geeignete Maßnahmen ergriffen werden, um den Krankheitsverlauf aufzuhalten.

mehr zur Diagnose der pAVK im Stadium I:

Diese Behandlung ist im Stadium I einer pAVK notwendig:

Zentrales Ziel in der Therapie der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit ist in allen vier Stadien die konsequente Behandlung der Risikofaktoren Rauchen, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Diabetes mellitus und Übergewicht. Liegen bei Ihnen gleichzeitig mehrere Risikofaktoren vor, steigt das Arterioskleroserisiko überproportional an. Die Reduzierung von Risikofaktoren hängt zu einem großen Teil vom persönlichen Engagement der Patienten ab. Natürlich ist es nicht einfach, mit Überzeugung, Stehvermögen und Konsequenz liebgewonnene Gewohnheiten abzulegen und das Leben in einigen Teilbereichen neu zu organisieren.

pAVK Stadium II: Schmerzen beim Gehen

Im Stadium II verspüren die Patienten nach einer anfänglich schmerzfreien Gehstrecke krampfartige Schmerzen in den Wadenmuskeln, seltener auch in Oberschenkel, Gesäß oder dem Fuß. Die Schmerzen entstehen durch eine Mangeldurchblutung der Beine. Der durch das Gehen gesteigerte Sauerstoff- und Nährstoffbedarf der Beinmuskulatur kann in den Gebieten hinter der Arterienverengung nicht mehr ausreichend gedeckt werden.

Die Schmerzen zwingen Sie stehen zu bleiben. Danach bilden sie sich zurück und Sie können bis zur nächsten Schmerzattacke schmerzfrei weitergehen. Diese Art von Beschwerden wird auch „Schaufensterkrankheit“ genannt, weil die Betroffenen oft bei einer Schmerzattacke vor einem Schaufenster stehen bleiben, um nicht aufzufallen und die Beschwerden zu überspielen.

Die Länge der schmerzfreien Gehstrecke (in Metern) und die Dauer der Erholung (in Minuten), nachdem Sie stehengeblieben sind, dienen dem Arzt als Anhaltspunkt für die Schwere Ihrer Durchblutungsstörungen. Nicht nur Ihre Bewegungsfreiheit, auch Ihre Lebensqualität wird durch die Schmerzen im Stadium II eingeschränkt.

Das Risiko einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden steigt weiter an und so ist die häufigste Todesursache von pAVK-Patienten der Herzinfarkt. Etwa bei jedem vierten Patienten im Stadium II verschlechtert sich der Krankheitszustand innerhalb eines Zeitraumes von fünf Jahren mit einer Verschlimmerung der Krankheit in die Stadien III und IV.

Diese Behandlung ist im Stadium II einer pAVK notwendig:

Weil nicht alle Patienten das Glück haben, dass schon im beschwerdefreien Stadium I eine pAVK diagnostiziert wird, kommen diese erstmalig im Stadium II in die cardioangiologische Praxis, wenn der Gehschmerz sie dazu zwingt.

Risikofaktoren bekämpfen

Wegen der erhöhten gefäßbedingten Sterblichkeitsrate der Patienten im Stadium II liegt auch in diesem Stadium der Schwerpunkt der Therapie in der konsequenten Behandlung der Risikofaktoren einer Arteriosklerose wie bei Stadium I. Also: Nikotin-Entwöhnung, Reduzierung von Übergewicht, Normalisierung von Fettstoffwechselstörungen und Einstellung des Bluthochdrucks.

Ein Geh-Training ist im Stadium II sinnvoll, um die schmerzfreie Gehstrecke zu verlängern.

mehr zum Geh-Training

Thrombozytenfunktionshemmer werden eingesetzt, um das Risiko ernster Komplikationen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall zu mindern und die Durchblutung der Beine zu verbessern.

Mehr zu Thrombozytenfunktionshemmern:

Die Ballon-Dilatation, auch Perkutane Transluminale Angioplastie (kurz: PTA) genannt, ist eine der Standardmethoden bei der Behandlung der pAVK.

mehr zur Ballon-Dilatation:

Auch nach der Ballon-Dilatation hängt der Langzeiterfolg des Eingriffs ganz wesentlich davon ab, wie konsequent die Patienten gegen ihre Risikofaktoren vorgehen.

Die Thrombolyse wird angewandt, wenn ein arterieller Gefäßverschluss durch ein Blutgerinnsel (Thrombus) entstanden ist.

Diese Art der medikamentösen Auflösung eines Gerinnsels gelingt allerdings nur, solange der Gefäßverschluss relativ frisch ist. Ein weiteres Entscheidungskriterium für oder gegen eine Thrombolyse ist die Lokalisation des Gerinnsels.

Eine Operation kann in Frage kommen, wenn Gehtraining, Thrombolyse oder Ballon-Dilatation die schmerzfreie Gehstrecke nicht verbessern konnten.

Diese Zurückhaltung gegenüber operativen Maßnahmen im Stadium II der pAVK beruht auf dem Wissen, dass noch keine Amputationsgefahr für das Bein besteht und dass nach einem eventuellen Wiederverschluss des Gefäßes das Bein häufig eine noch ungünstigere Prognose hat. Außerdem sind operative Verfahren mit einem höheren Komplikations- und Sterblichkeitsrisiko verbunden.

Durchblutungsfördernde Medikamente können die Blutversorgung der Regionen hinter dem arteriellen Engpass verbessern.

Die ursächlichen Gefäßveränderungen können mit diesen Medikamenten nicht beseitigt werden. Wenn bei Patienten eine extrem kurze schmerzfreie Gehstrecke von weniger als 200 Metern vorliegt und Geh-Training, Ballon-Dilatation oder eine Operation nicht in Frage kommen, können durchblutungsfördernde Medikamente eingesetzt werden.

pAVK im Stadium III: Schmerzen in Ruhe

 

pAVK im Stadium IV : absterbendes Gewebe, Geschwüre, "offene Beine"

Wenn es nicht gelingt, das Fortschreiten der pAVK aufzuhalten, wird die Durchblutung der Gewebe hinter dem Engpass immer schlechter. Bei fast jedem dritten Patienten entsteht aus dem Stadium II ein Stadium III und IV. Patienten im Stadium III und IV verspüren schon in Ruhe Schmerzen und sind schwer krank. Nicht selten treten weitere gefäßbedingte Erkrankungen auf, die das Leben ernsthaft bedrohen.

In dieser Patientengruppe, in der sich das Krankheitsbild verschlimmert, müssen bis zu 12 Prozent mit Amputationen der Gliedmaßen rechnen.

Diese Behandlung ist im Stadium III oder IV einer pAVK  notwendig:

Risikofaktoren minimieren

Selbst in diesen fortgeschrittenen Stadien ist es für den weiteren Krankheitsverlauf ganz entscheidend, dass Sie konsequent gegen bestehende Risikofaktoren ankämpfen. Dies gilt vor allem für das Rauchen, da die Amputationsrate bei Rauchern stark erhöht ist.

Bettruhe

Jetzt kommt es darauf an, körperliche Anstrengungen zu vermeiden, selbst das Geh-Training aus Stadium II soll jetzt nicht mehr durchgeführt werden. Der Grund ist, dass durch den gesteigerten Durchblutungsbedarf durch Bewegung ab Stadium II keine neuen Gefäße mehr gebildet werden, um die Engstelle zu umgehen. Jetzt wird nämlich der durch Bewegung erhöhte Durchblutungsbedarf dadurch ausgeglichen, dass die Haut weniger durchblutet wird. Hautschäden wie Hautgeschwüre sind die Folge. Um die Durchblutung der Haut nicht einzuschränken ist häufiges Entlasten der Beine notwendig.

Lagerung der Beine

Beim Liegen ist eine optimale Lagerung der Beine wichtig, um Druckgeschwüre zu verhindern. Als sinnvoll erwiesen hat sich eine weiche Polsterung unter beiden Unterschenkeln bei überstehenden Füßen. So vermeiden Sie Druck auf die gefährdeten Fersen.

mehr zur Lagerung der Beine:

Wundpflege

Ohne geeignete Wundpflege heilen die Hautgeschwüre im Stadium IV sehr schlecht ab. Die tägliche Wundpflege hat deshalb einen wesentlichen Einfluss auf die Heilung der „offenen Beine“. Dazu gehören:

  • Täglicher Verbandswechsel
  • Entfernung abgestorbener Gewebeteile
  • Suche und Entfernung von Eiteransammlungen
  • Wundreinigung mit Enzymen oder flüssigkeitsaufsaugenden Stoffen

Die interdisziplinäre Fußsprechstunde im CCB Diabetes Centrum bietet eine optimale Versorgung von schlecht heilenden Wunden. In Zusammenarbeit mit Chirurgen, speziell ausgebildeten Fußpflegern (Podologen) und spezialisierten Orthopädieschuhmachern werden offene Stellen mit viel Engagement gepflegt und geheilt. Das CCB Diabetes Centrum arbeitet eng mit dem Gefäß Centrum zusammen.

Im Verbandszimmer werden Wunden gereinigt und versorgt.
Im Verbandszimmer werden Wunden gereinigt und versorgt.

Hier sieht man ganz deutlich, dass die offene Stelle innerhalb kurzer Zeit abgeheilt ist, nachdem durch eine PTA die Durchgängigkeit der Beckenarterie wieder hergestellt wurde.

Thrombozytenfunktionshemmer

Auch in dieser Phase werden Thrombozytenfunktionshemmer (z.B. ASS oder Clopidogrel) eingesetzt, um drohende Komplikationen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall oder ein weiteres Fortschreiten der Durchblutungsstörungen in den Beinen zu vermindern.

Katheterintervention und Operation

In den Stadien III und IV der Erkrankung sind grundsätzliche Maßnahmen angezeigt, um die Weite der betroffenen Arterien zu vergrößern oder die Blutgefäßeinengungen durch künstliche Gefäße (Bypass) zu umgehen. Meist kann man durch eine Katheterintervention  eine Verbesserung der Durchblutung erreichen. Ob eine Katheterbehandlung oder eine Operation an erster Stelle steht wird im Einzelfall, dem Krankheitsverlauf entsprechend, entschieden.

 

 

Katheterintervention

Die von Andreas Grüntzig erfundene Technik der oft nur minimal invasiven Behandlung mit Kathetern hat in den letzten Jahren unglaubliche Fortschritte gemacht und das Stadium der reinen Ballon-Dilatation (POBA = plain old balloon angioplastie) weit hinter sich gelassen.

Das Ergebnis der „Aufdehnung“ wird oft  durch Metallstützen (Stents) gesichert.

Auch das Wiedereröffnen von langen Gefäßverschlüssen ist heute durch spezielle (sehr flexible und dünne) Drähte möglich.

Es kommen Instrumente zum Einsatz, die wie ein Bohrer (z.B. Rotarex®) sich mit ca. 30000 Umdrehungen/Minute durch den Verschluss „wühlen“  und das Verschlussmaterial aus dem Gefäß herausschaffen.

Neben der klassischen Arteriosklerose kommt es auch durch Einwachsen von Muskelzellen in die Gefäßwand zur Verengung (Intimahyperplasie). Besonders in solchen Fällen benutzt man beschichtete Ballons, die direkt ein Medikament in die Gefäßwand abgeben (DEB = Drug-Eluting-Balloon) um eine Wiedereinengung zu verhindern.

Operative Verfahren

In ausgewählten Fällen müssen Gefäßläsionen der Bein- und Beckengefäße mit einem Bypass überbrückt oder durch eine Ausschälplastik (TEA -Thrombendarteriektomie) wiedereröffnet werden.
Falls möglich, erfolgt die Rekonstruktion mit körpereigenem Venenmaterial. Die Vene kann „ in situ “ belassen werden (in situ Bypass) mit dem Vorteil eines geringen Operationstraumas oder sie wird entnommen und in sogenannter Umkehrtechnik (reversed) wieder eingesetzt. Die Rekonstruktion in der Beckenetage erfolgt in aller Regel mit Kunststoff-, Dacron- oder PTFE-Prothesen.