Was ist eine periphere arterielle Verschlusskrankheit?

Querschnitt durch ein normales Herzgefäß
Querschnitt durch ein normales Herzgefäß. Die Wand des Gefäßes ist frei von Ablagerungen.

Um diese Frage zu beantworten, richten wir den Blick zunächst auf den gesunden Blutkreislauf:
Unser Blutkreislauf gewährleistet die Versorgung allen Gewebes mit dem benötigten Sauerstoff und Nährstoffen. Durch die Blutgefäße gelangt sauerstoff- und nährstoffreiches Blut zu den Geweben. Um das zu schaffen, muss das Blut ständig durch die Tätigkeit des Herzens in Bewegung gehalten werden. Arterien und Venen bilden mit ihrer Vielzahl immer feiner werdenden Verästelungen die notwendigen Transportwege für das Blut bis in die entlegensten Körperregionen.

Der dazu nötige Druck wird durch die Pumpfunktion des Herzens aufgebaut. Die Arterien, auch Schlagadern genannt, empfangen das mit Sauerstoff und Nährstoffen angereicherte Blut vom Herzen und transportieren es in die „Peripherie“ des Körpers. Dort beliefern sie die einzelnen Gewebe mit den lebensnotwendigen Stoffen. Die Arterien lassen sich an verschiedenen Stellen des Körpers als Pulsschlag tasten.

 

Diese Aufnahme zeigt, gesunde, völlig durchgängige Beckenarterien rechts und links. Oben sind die Nierenarterien erkennbar.

Die Gewebe entnehmen dem Blut die benötigten Stoffe und reichern es im Austausch mit Kohlendioxid und anderen Abfallstoffen an. Die Venen übernehmen dann den Abtransport des sauerstoff- und nährstoffarmen Bluts. Auf dem Weg zum Herz wird das Blut wieder mit Nährstoffen angereichert. Beim Passieren der Lunge wird es vom Kohlendioxid befreit und erneut mit Sauerstoff versorgt. Über das Herz gelangt das Blut wieder in die Arterien und der Blutkreislauf schließt sich. Ein neuer Durchgang kann beginnen.
Ein überall uneingeschränkt funktionierender Blutkreislauf ist die Basis einer guten Durchblutung aller Gewebe.

Der gestörte Blutkreislauf
An allen Stellen des Körpers können Störungen im Pump- und Transportsystem des Blutkreislaufs auftreten.
Herz-, Arterien- und Venenerkrankungen sowie Veränderungen der Fluß- oder Gerinnungseigenschaften des Blutes können den Kreislauf schwerwiegend stören.
Bei der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) geht es um Verengungen und Verschlüsse der Hauptschlagader und der Arterien, die Arme und Beine versorgen.
Diese Verengungen und Verschlüsse sind zu 95 Prozent der Fälle auf eine Arteriosklerose zurückzuführen. Die verbleibenden fünf Prozent werden durch Gefäßentzündungen unterschiedlicher Art und angeborene Gefäßveränderungen verursacht.

Querschnitt durch ein Herzgefäß eines 41-jährigen Mannes, der beim Tanzen am plötzlichen Herztod verstarb. In der Gefäßwand hat sich eine große Ablagerung gebildet, die aufgebrochen ist („Plaqueruptur“) und – sichtbar in der Bildmitte (großer Pfeil) – zu einer Gerinnselbildung mit Verschluss des Gefäßes geführt hat. Die kleinen Pfeile zeigen Verkalkungen an, die durch die Präparation des Gefäßes herausgelöst wurden.

Die Arteriosklerose, auch Arterienverkalkung genannt, ist somit eindeutig die Hauptursache der pAVK. Sie führt zu Ablagerungen von Fettsubstanzen, die „Plaques“ genannt werden, an und in den Gefäßwänden. Wenn diese mehr und mehr zunehmen, verstopfen sie das Gefäß schließlich und erschweren oder unterbrechen die Blutversorgung. Schreitet die Erkrankung fort, kommen wirkliche Kalkablagerungen dazu.

Die Entstehung solcher arteriosklerotischer Veränderungen wird durch den Einfluss unterschiedlicher Risikofaktoren begünstigt.
Dazu gehören vor allem das Rauchen, der Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen (erhöhte Blutwerte für Cholesterin und Triglyzeride) und die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus). Inzwischen ist es erwiesen, dass diese Risikofaktoren die Entwicklung einer Arteriosklerose begünstigen.

Alles, was die Entwicklung einer Arteriosklerose fördert, kann auch die Entstehung der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit fördern.
Dabei sind mit 90 Prozent die Gefäße der Beine und die zuführenden Gefäße des unteren Bauchraumes betroffen. In nur 10 Prozent der Fälle erkranken die Gefäße in den Armen.

Die Arterienverengung ist ein langsamer Prozess, der über einen langen Zeitraum unbemerkt bleiben kann, aber individuell unterschiedlich schnell voranschreitet.

Beschwerden entstehen erst dann, wenn die Durchblutung in den Bereichen hinter dem sich entwickelnden Engpass nicht mehr ausreicht, um den Bedarf der Gewebe an Sauerstoff und Nährstoffen zu decken.
Natürlich hängt das Ausmaß der Beschwerden vom Ort und dem Schweregrad des Engpasses ab. Auch ist der Körper in der Lage, Ersatzgefäße zu bilden, die das Hindernis umgehen, was zunächst keine Beschwerden aufkommen läßt.

Bei der pAVK muss man immer damit rechnen, dass auch andere arterielle Stromgebiete von arteriosklerotischen Gefäßverengungen betroffen sein können. So finden sich bei pAVK-Patienten häufig gleichzeitig Verengungen im Bereich der Herzkranzarterien, der Halsschlagadern und der Hirngefäße.

Das ist der Grund dafür, dass pAVK-Patienten ein stark erhöhtes Risiko haben, einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall zu erleiden. Die Haupttodesursache von pAVK-Patienten in den fortgeschrittenen Stadien ist mit über 50 Prozent der Herzinfarkt, gefolgt vom Schlaganfall.

Die Veränderungen an der Gefäßwand können bereits in der Kindheit und Jugend beginnen. Bemerkbar machen sie sich aber erst nach 40 bis 60 Jahren. Dies erklärt, warum es so wichtig ist, der Gefäßveränderung früh vorzubeugen: Eine Behandlung im Alter von 40 bis 60 Jahren kann die Erkrankung nicht mehr beseitigen, sondern nur noch die Folgen begrenzen.

Die pAVK ist sehr häufig und weit verbreitet: Fünf bis 10 Prozent der Erwachsenen in Deutschland leiden an peripheren arteriellen Durchblutungsstörungen der unteren Gliedmaßen. Die Erkrankungshäufigkeit nimmt mit dem Alter zu. So sind bei den über 65-Jährigen bereits 20 Prozent der Bevölkerung von arteriellen Gefäßengpässen betroffen, Männer insgesamt häufiger als Frauen.

Die vier Stadien der pAVK

Man unterscheidet zwischen vier Stadien, die von völliger Beschwerdefreiheit im Stadium I bis hin zu aufgeprägten Gewebeschädigungen in den fortgeschrittenen Stadien III und IV, die letztendlich eine Beinamputation notwendig machen können. Dieses Schicksal erleiden in Deutschland jährlich ca. 30 000 Menschen. Inzwischen geht man davon aus, dass 80 Prozent der Amputationen durch rechtzeitige Diagnose, Reduzierung der Risikofaktoren und Behandlung vermeidbar sind.

Stadium I Beschwerdefreiheit

Stadium II Schmerzen beim Gehen

Stadium III Schmerzen in Ruhe

Stadium IV absterbendes Gewebe, Geschwüre, „offene Beine“