Was ist eine Elektrophysiologische Untersuchung?

Herzrhythmusstörungen sind der für den Patienten spürbare Ausdruck von Leitungsstörungen im Herzen. Man spricht von Arrhythmien. Diesen kommt man mit der elektrophysiologischen Untersuchung auf die Spur. Dabei werden über Katheter einerseits elektrische Signale ins Herz gebracht und andererseits die herzeigenen elektrischen Signale registriert. Es handelt sich bei der Elektrophysiologischen Untersuchung also um eine rein diagnostische Maßnahme.

Bei welchen medizinischen Fragestellungen wird eine elekrophysiologische Untersuchung durchgeführt?
Mit einer Elektrophysiologischen Untersuchung lassen sich Herzrhythmusstörungen provozieren und untersuchen, um die Prognose beurteilen und Therapiemöglichkeiten abwägen zu können.

Bei kurzzeitigen Bewustlosigkeitenunklarer Ursache wird die Elektrophysiologische Untersuchung eingesetzt, um zu prüfen, ob Herzrhythmusstörungen der Grund sind.

Bei Patienten mit Durchblutungsstörungen am Herzen (KHK) und Herzrhythmusstörungen im Langzeit-EKG, die der genaueren Beurteilung bedürfen, wird die Elektrophysiologische Untersuchung durchgeführt, um die Risiken besser beurteilen zu können.
Exemplarisch einige typische Fallbeispiele:

Exemplarisch einige typische Fallbeispiele:

1. AV-Knoten-Reentry-Tachykardie:
Ein 28-jähriger sportlich aktiver Mann erleidet seit ca. 1 Jahr immer wieder attackenartiges Herzrasen. Die Anfälle treten meist in Ruhe auf, zum Beispiel nach dem Bücken, gehen einher mit einem ausgeprägten Angstgefühl, er ist nicht mehr leistungsfähig, fühlt sich schwach, schwindelig, kurzatmig. Die Anfälle halten unterschiedlich lange an,manchmal nur einige Minuten, es kommt aber immer wieder auch zu länger anhaltenden Episoden bis über mehrere Stunden. Einige Male wurde er in einer Notaufnahme vorstellig, auch der Notarzt wurde schon gerufen, jeweils war der Anfall aber schon wieder beendet bis ärztliche Hilfe kam. Die bisherigen Herzuntersuchungen ergaben keine Auffälligkeiten, wahrscheinlich seien die Beschwerden nervös bedingt.

Auf Grund der für den Elektrophysiologen typischen Anamnese erfolgt die Empfehlung, eine elektrophysiologische Untersuchung durchzuführen:
Durch spezielle Stimulationsverfahren während des Eingriffs kann eine Herzrasenattacke ausgelöst werden, es zeigte sich eine angeborene Leitungsbesonderheit am Herzen durch eine Nervendoppelung mit der typischen „AV-Knoten-reentry-Tachykardie“. Durch eine Verödungsbehandlung kann der zusätzlicheTeil des AV-Knotens, die so genannte langsame Leitungszone beseitigt werden. Der Eingriff dauert ca. 60 Minuten, findet in örtlicher Betäubung während eines kurzen stationären Aufenthaltes von 2 Tagen statt. Die Ablationsbehandlung ist nicht schmerzhaft, nach einer anschließenden Bettruhephase von 4 Stunden kann er wieder aufstehen und am nächstenTag nach einigen Abschlussuntersuchungen wieder entlassen werden.Während der gesamten Nachbeobachtung über mehrere Jahre treten keine Herzrasenattacken mehr auf.

2. WPW-Syndrom:
Eine 31-jährige Frau wird mit dem Notarzt im Krankenhaus eingeliefert mit der Diagnose „Verdacht auf Herzinfarkt mit bösartigen Herzrhythmusstörungen“. Ein Herzinfarkt kann ausgeschlossen werden, im Krankenhaus wird schnell erkannt, dass ein so genanntes WPW-Syndrom vorliegt mit Vorhofflimmern und einer extremen Herzfrequenzbeschleunigung auf 300/min. Als Notfallbehandlung wird zunächst in einer kurzen Narkose eine Elektroschockbehandlung durchgeführt, im Anschluss ist die Patientin wieder beschwerdefrei.

Im Ekg finden sich weiter die eindeutigen Zeichen einer angeborenen Leitungsbesonderheit am Herzen, des WPW-Syndroms. Dieses Krankheitsbild zeichnet sich durch eine zusätzliche Leitungsbahn am Herzen aus, die die Herzvorhöfe mit den Herzkammern verbindet. Auf Nachfragen berichtet die Patientin, dass sie schon seit der Kindheit immer wieder Anfälle von Herzrasen kennt, an die sie gewöhnt sei, die Anfälle dauern bis zu 1 h an, sie ist dabei schwach, Angstgefühl trete aber nicht auf, sie habe nie den Arzt aufgesucht, ein Ekg sei noch nie registriert worden. Diesmal sei der Anfall erstmals nicht spontan terminiert sondern es kam im Verlauf zu einer dramatischen Verschlechterung des Befindens, sie sei kurz vor der Ohnmacht gewesen, der anwesende Lebensgefährte rief den Notarzt.

Bei der Patientin war es zu einer sehr gefährlichen Komplikation des WPW-Syndroms gekommen: Aus den „normalen“Tachykardien, dem anfallsweisen Herzrasen kann eine sehr ungeordnete Herzrhythmusstörung, das sogenannte Vorhofflimmern werden. Diese an sich ungefährliche Herzrhythmusstörung kann für WPW-Patienten lebensgefährlich werden.
Es wird eine elektrophysiologischen Untersuchung durchgeführt, bei der die WPW-Bahn genau lokalisiert wird und durch die Ablationsbehandlung vollständig durchtrennt werden kann. Das anschließende Ekg zeigt keine Auffälligkeiten mehr, die Patientin kann bereits am folgendenTag wieder entlassen werden. Anfälle mit Herzrasen treten nicht wieder auf.

3. Vorhofflattern:
Ein 75-jähriger Patient wurde vor einigen Jahren am Herzen operiert. Auf Grund von Durchblutungsstörungen am Herzen war eine Bypass-Operation durchgeführt worden. Seit der Zeit fühlt er sich wieder recht gut, die Leistungsfähigkeit habe sich durch die Operation deutlich gebessert. Seit einigen Wochen bemerkt er nun wieder einen deutlichen Leistungsknick, das Treppensteigen falle ihm sehr schwer.

Das Blutdruckmessgerät zeige seit der Zeit immer einen erhöhten Puls von ca. 125 - 135/min an. Auch in Ruhe sinke der Puls nicht mehr ab. Das Ekg zeigt das so genannteVorhofflattern, eine Herzrhythmusstörung die bei Patienten mit Durchblutungsstörungen, nach Herzoperationen, bei Patienten mit Bluthochdruck aber auch bei Patienten ohne zusätzliche Herzerkrankung auftreten kann. Ursache sind am ehesten degenerative Veränderungen in der rechten Herzvorkammer. Es kommt zu Verzögerungen der normalen Erregungsausbreitung mit Fehlleitungen und Kreiserregungen am Herzen. Die dadurch entstehenden Rhythmusstörungen halten meist lange an, enden häufig nicht von alleine, müssen entweder durch Medikamente, meist aber durch Elektroschockbehandlung beendet werden. Das Risiko, dass die Arrhythmie im Anschluss wieder auftritt ist sehr hoch.

Bei diesem Patienten wird direkt die elektrophysiologische Untersuchung und Ablationsbehandlung durchgeführt. Ein Muskelstrang im Bereich der rechten Herzvorkammer mit stark verzögerter Erregungsleitung kann alsVerursacher des Vorhofflatterns identifiziert und verödet werden. Das Vorhofflattern wird dadurch beendet, es tritt im weiteren Verlauf nicht mehr auf. Die Leistungsfähigkeit bessert sich wieder deutlich.

4. Ventrikuläre Tachykardien:
Bei einem 25-jährigen Busfahrer fallen erstmals anlässlich der jährlichen betriebsärztlichen Untersuchung so genannte ventrikuläre Extrasystolen, zusätzliche Herzschläge aus der Herzhauptkammer auf. Er selbst bemerkt schon seit Jahren gelegentlich Herzstolpern, hat dem aber keine Bedeutung beigemessen, im Ekg waren die Herzrhythmusstörungen bisher nie erfasst worden.

Es erfolgt jetzt ein Belastungs-Ekg bei dem ausgeprägte Herzrhythmusstörungen aus den Herzkammern, so genannte ventrikuläre Tachykardien auftreten. Eine gründliche kardiologische Untersuchung wird in dieWege geleitet, aus dem Busfahrdienst wird er sofort herausgenommen. Außer den Herzrhythmusstörungen finden sich am Herzen keine Auffälligkeiten. Eine medikamentöseTherapie mit einem ß-Blocker muss abgebrochen werden wegen Nebenwirkungen mit ausgeprägter Müdigkeit und Abgeschlagenheit. In einer Langzeit-Ekg-Registrierung zeigen sich sehr häufige ventrikuläre Tachykardien. Eine elektrophysiologische Untersuchung wird durchgeführt. Durch Gabe von Stresshormon können die Herzrhythmusstörungen provoziert werden, der Ursprungsort kann in den Ausflussteil der rechten Herzhauptkammer lokalisiert werden. Dort gelingt die Ablationsbehandlung. Anschließende Langzeit- und Belastungs-Ekg-Untersuchungen sind völlig unauffällig.

5. Vorhofflimmern:
Eine 69-jährige Patientin leidet seit vielen Jahren an anfallsweisem aus-dem- Takt-Geraten des Herzens, dem so genannten Vorhofflimmern. Ohne erkennbaren äußeren Anlass, häufig in Ruhe, ändert sich der Puls plötzlich, das Herz schlägt schnell, unregelmäßig, dabei kommt es zu Luftnot, Unruhe, Angstgefühl, Brustschmerzen.
Die Anfälle halten zumTeil bis zu 2 Tage an, an diesenTagen sei sie überhaupt nicht belastbar. Vor einigen Jahren erhielt sie einen Herzschrittmacher, da im Langzeit-Ekg ein zumTeil sehr langsamer Puls aufgefallen war im Wechsel mit dem stark beschleunigten Puls während der Herzrhythmusstörungen. Nach der Schrittmacherversorgung wurden verschiedene medikamentöse Behandlungen durchgeführt, jedoch ohne wesentliche Besserung der Beschwerden. Eine blutgerinnungshemmende Behandlung musste eingeleitet werden zurVerhinderung der bei dieser Art von Herzrhythmusstörung gefürchteten Schlaganfallkomplikation.

In dieser Situation sind zwei elektrophysiologische Therapieansätze möglich:
Durch die Verödung des Hauptnerven des Herzens, des so genannten AV-Knotens werden die Vorhofflimmerepisoden von der Patientin nach dem Eingriff nicht mehr bemerkt. Es kann in Zukunft auf Herzrhythmusmedikamente vollständig verzichtet werden, lediglich die blutgerinnungshemmende Therapie muß beibehalten werden. Dies Verfahren setzt die zuvorige Herzschrittmacherversorgung zwingend voraus und führt zur „Schrittmacherabhängigkeit“ nach der Verödungsbehandlung. Es kommt nur noch in Einzelfällen zum Einsatz, da sich in der Zwischenzeit andere ursächliche Behandlungsverfahren des Vorhofflimmerns weiterentwickelt haben.

Die ursächliche Behandlung von Vorhofflimmern durch Ablationsverfahren hat sich in den letzten Jahren allmählich zu einem Verfahren entwickelt, das bei starken Beschwerden und dem Versagen medikamentöserTherapieversuche zum Einsatz kommen kann. Insbesondere für Patienten mit nur anfallsweise auftretendem Vorhofflimmern und ohne schwerwiegende sonstige Herzerkrankung bieten wir eine Erfolg versprechende neue Ablationsmethode an, die so genannte Kryoablation:

Das Verfahren der Kryoablation
Als Urspungsort von Vorhofflimmern konnten die Lungenvenen, über die das Blut aus der Lunge in die linke Herzvorkammer fließt identifiziert werden. Durch eine ringförmige Verödung des Eingangs in die Lungenvene besteht damit die Möglichkeit, das Entstehen von Vorhofflimmern zu verhindern.Während dies in der Vergangenheit nur in sehr aufwendigen Verfahren mit den bekannten Ablationskathetern möglich war, kommen jetzt ballonförmige Katheter zum Einsatz, mit denen eine umschriebene Erfrierung durchgeführt werden kann, die sogenannte „Kryoablation“.

Dieses Ablationsverfahren, das gewebeschonender, weniger schmerzhaft und sicherer für den Patienten ist, als die bisherigenVerfahren, eignet sich nur für die Patienten, die nicht permanent Vorhofflimmern haben. Unsere ersten Erfahrungen hier am CCB haben uns gezeigt, dass es sich um eine relativ sichere, praktikable und erfolgversprechende neue Methode handelt.

Die Abbildungen zeigen die Lage des Kryo-Ablationskatheters in den Einmündungen der vier Lungenvenen in den linken Vorhof (rechts oben, links oben, rechts unten und links unten). Der Ballon sollte die Lungenvenen jeweils möglichst komplett abdichten, um eine effektive elektrische Isolierung zu erreichen.
Die Position des Ballons wird mit dem Führungsdraht und der steuerbaren Schleuse variiert und mittels Kontrastmittel-Injektion kontrolliert. Dann wird der Ballon mit flüssigem Lachgas (N2O) gefüllt und dadurch das Gewebe um die Einmündung der Lungenvenen herum auf -30 bis -40 Grad Celsius abgekühlt.

Herzrhythmusstörungen und Medikation
Herzrhythmusstörungen stellen in der kardiologischen Praxis ein verbreitetes Problem dar. Nicht nur die durch Durchblutungsstörungen, Bluthochdruck oder andere Herzerkrankungen belasteten Patienten neigen zu Herzrhythmusstörungen. Auch ansonsten völlig gesunde, junge Menschen können durch Herzrhythmusstörungen in ihrem alltäglichen Leben stark beeinträchtigt werden.

Die Therapie von Herzrhythmusstörungen hat sich in den letzten 15 Jahren grundsätzlich geändert. Während früher die unterschiedlichsten Rhythmusmedikamente (Antiarrhythmika) eingesetzt wurden, weiß man mittlerweile, dass diese Präparate nur noch gezielt eingesetzt werden sollten.

Die aktuelle Behandlung von Herzrhythmusstörungen umfasst folgende Aspekte:

  • Es wird die zugrunde liegende Herzerkrankung möglichst optimal behandelt.
  • Durch die Entwicklung von implantierbaren Defibrillatoren ergibt sich für Patienten mit lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen eine sichere Alternative zu Antiarrhythmika, die in diesen Fällen nur noch ergänzend eingesetzt werden.
  • Die Ablationsbehandlung stellt für die Patientengruppe mit häufigen, hoch symptomatischen Herzrhythmusstörungen in vielen Fällen eine sichere, hoch effektive Behandlungsmöglichkeit dar.
  • Die Gabe von Antiarrhythmika ist vom erfahrenen Kardiologen sorgfältig im Einzelfall zu prüfen und zu begleiten, um Nebenwirkungen und Komplikationen rechtzeitig zu erkennen.