Indikationen zur Cardio-MRT

1. Koronare Herzerkrankung

Linksventrikuläre Volumetrie und Wandbewegungsanalyse
Die Cardio-MRT erlaubt eine exakte Darstellung aller Wandabschnitte des linken Ventrikels. Die Bildqualität ist auch dann gut, wenn für die Echokardiographie schwierige anatomische Bedingungen wie z.B. ein Lungenemphysem vorliegen. Der gesamte linke Ventrikel kann sowohl in Lang- als auch in Kurzachsenschnitten, als auch infrei wählbaren Achsen, mit einer variablen Schichtdicke dargestellt werden. Die linksventrikuläre Volumetrie erfolgt in der Regel in zehn konsekutiven Kurzachsenschnitten. Die Methode hat sich hier mittlerweile zum international anerkannten Goldstandard entwickelt. Aus dem so gewonnenen Datensatz können sämtliche Volumetrie-Parameter des linken Ventrikels gewonnen werden.

Perfusion
Die Bestimmung der Myokardperfusion kann mittels der Magnetresononanztomographie unter Adenosinbelastung visuell, semiquantitativ und quantitativ erfolgen. Hauptziel dieses Untersuchungsschrittes ist es, bei einer Stressbelastung mit Adenosin minderperfundierte Myokardareale zu detektieren. Durch die Implementierung neuester Sequenzen besteht nun eine Auflösung von 1,8 x 1,8 mm. Diskussion besteht derzeit noch über den Modus des Auswerteverfahrens. Es ist zu erwarten, dass in naher Zukunft diese Methodik für die erweitere Ischämiediagnostik, z.B. bei unklaren Belastungs-EKG-Befunden, genutzt werden kann. Derzeit bereits zuverlässig kann die Methodik ohne Adenosinbelastung eingesetzt werden, wenn es um die Fragestellung mikrovaskuläre Obstruktion in Infarktarealen geht. Wird eine mikrovaskuläre Obstruktion im Infarktareal nachgewiesen, ist die Prognose deutlich schlechter im Vergleich zu den Infarktpatienten, bei denen eine adäquate Perfusion des Myokardinfarktareales vorliegt.

Bypass-Diagnostik
Sowohl venöse als auch arterielle koronare Bypass-Gefäße können morphologisch mit der Cardio-MRT dargestellt werden. Mit der EKG-getriggerten MR-Angiographie kann die Offenheit der Bypass-Gefäße bis in die Peripherie dargestellt werden. Daneben ist über die Bestimmung der Flußreserve ein funktioneller Parameter zur Abschätzung der Kompetenz des Bypass-Gefäßes möglich. Hierbei wird der Fluß im Bypass sowohl unter Ruhe-Bedingungen als auch während einer intravenösen Belastung mittels Adenosin-Gabe bestimmt.

Vitalität
Die Infarkt-Analyse mit der Cardio-MRT ermöglicht völlig neue Einblicke in Lokalisation und Ausdehnung von Myocardinfarkten, die bisher in dieser Form nicht möglich waren. Hierbei kommt insbesondere die sogenannte „Late Enhancement-Technik“ zum Einsatz. Diese verspätete Anreicherung von Kontrastmittel erlaubt die exakte Abgrenzung der Infarkt-Ausdehnung, sowohl was die Circumferrens des linken Ventrikels angeht, als auch die Tiefenausdehnung innerhalb des Myocards. Hierdurch gelingt es erstmals, auch subendocardiale Infarcierungen, die weder bleibende EKG-Veränderungen noch regionale Wandbewegungsstörungen hervorrufen, zu identifizieren. Mit dieser Unterscheidung von einer transmuralen Infarzierung kann besser abgeschätzt werden, ob revaskularisierende Maßnahmen zu einer Verbesserung der linksventrikulären Funktion führen können.

Koronarangiographie
Die MR-Koronarangiographie ist bis jetzt in der klinischen Routine noch nicht sinnvoll einzusetzen. In ausgewählten Einzelfällen (z. B. Koronaranomalien) ist jedoch bereits heute eine detaillierte Diagnostik, insbesondere der proximalen Gefäßverläufe, möglich.

2. Erworbene Herzklappenfehler und congenitale Vitien

Die Cardio-MRT stellt eine wertvolle Bereicherung der nicht invasiven Diagnostik bei Herzklappenfehlern dar. Insbesondere bei nicht ausreichend schallbaren Patienten oder unklaren Befunden können hier zusätzliche wichtige Aussagen getroffen werden. Zum einen ist eine morphologisch exakte Darstellung der Herzklappen möglich. Hiermit kann z. B. nicht invasiv die Aortenklappenöffnungsfläche vermessen werden. Ebenso ist mit der Cardio-MRT eine Gradientenbestimmung über stenosierten Klappen möglich.

Bei Klappeninsuffizienzen kann durch die Bestimmung des Vorwärts- und Rückwärtsflusses über der insuffizienten Klappe die Regurgitationsfraktion bestimmt werden. Daneben kann die linksventrikuläre Volumetrie zur Beurteilung der haemodynamischen Folgen eines Klappenvitiums eingesetzt werden (s. o.).

Des weiteren erlaubt die Cardio-MRT über die Darstellung der herznahen Gefäße, insbesondere Aorta ascendens und Aortenbogen, eine möglicherweise causale Pathologie zu erkennen.
MR-tomographisch können auch komplexe congenitale Vitien durch die unabhängig von Schallqualität und Schallfenster wählbaren Schnittebenen komplett morphologisch dargestellt werden. Die Flußmessung in der Aorta und in der Pulmonalarterie erlaubt die nicht invasive Shunt-Quantifizierung. Auch vasculäre Fehlbildungen, wie begleitende fehleinmündenende Pulmonalvenen, können mittels Cardio-MRT identifiziert werden.

3. Myocarditis / Pericard

Die Diagnose einer Myocarditis stellte bisher im wesentlichen eine Ausschluß-Diagnose dar bzw. wurde durch Myocardbiopsien gesichert. Mit der Cardio-MRT ist es jetzt möglich, mittels sogenannter Ödem-sensitiver Sequenzen ein myocardiales Ödem als Ausdruck eines akuten inflammatorischen Prozesses darzustellen. Auch Spätschäden nach abgelaufener Myocarditis können in Form von variabel lokalisierten Arealen irreversibel geschädigten Myocards nachgewiesen werden. Hierbei findet sich eine oft subepicardial gelegene Schädigungszone.

Sowohl Erkrankungen des Pericards wie eine Pericarditis constrictiva, die mit einer Pericardverdickung einhergehen, als auch Pericardzysten, können mittels Cardio-MRT nachgewiesen werden.

4. Arrhythmogene rechtsventrikuläre Dysplasie (ARVD)

Die Darstellung des rechten Ventrikels mittels Cardio-MRT ist der echokardiographischen Untersuchung teilweise auch überlegen. Insbesondere bei rechtsventrikulär lokalisierten Erkrankungen, wie der arrhythmogenen rechtsventrikulären Dysplasie, kann die Diagnose durch den Nachweis einer regionären Dyskinesie des rechten Ventrikels erhärtet werden. Daneben können intramyocardiale Lipideinlagerungen mittels lipidsensitiver Sequenzen nachgewiesen werden.

5. Raumforderungen

Mittels verschiedener morphologischer Sequenzen ist es möglich, sowohl intra- als auch paracardiale Raumforderungen exakt morphologisch darzustellen. Mittels ultraschneller Sequenzen zur Perfusionsbestimmung ist darüber hinaus eine weitere Abgrenzung (z. B. Thrombus versus Tumor) möglich.

6. Pulmonale arterielle Hypertonie

Durch hochaufgelöste Angiosequenzen kann die pulmonal-arterielle Strombahn morphologisch dargestellt werden. Insbesondere kann mit dieser Methodik die schwierige Differentialdiagnose einer chronisch thrombembolischen pulmonalarteriellen Hypertonie als Ursache eines bestehenden pulmonalen Hypertonus ein- oder ausgeschlossen werden.
Des weiteren konnen in diesem Kontext Shuntvitien als Ursache einer pulmonal-arteriellen Hypertonie respektive einer rechtsventrikulären Vergrößerung sicher morphologisch dargestellt werden und deren hämodynamische Bedeutung mit Flussmessungen berechnet werden. Insbesondere können auch seltenere Ursachen einer Shuntbelastung wie fehleinmündende Pulmonalvenen mit dieser Methode gut dargestellt und in ihrer hämodynamischen Bedeutung bestimmt werden.

Indikationen zur Angio-MRT

1. MR-Angiographie der supraaortalen Gefäße

Die MR-Angiographie erlaubt inzwischen eine exakte Darstellung der Aa. carotides sowie gleichzeitig der Aa. vertebrales. Hierbei werden auch die Gefäßabgänge dargestellt. Insbesondere kann in den hochaufgelösten, kontrastmittelverstärkten Sequenzen eine zuverlässige Stenosequantifizierung erfolgen.

2. MR-Angiographie der thorakalen Aorta

Neben der schon erwähnten Indikation der Aortenisthmusstenose können Aneurysmen, Dissektionen oder andere Pathologien der thorakalen Aorta evaluiert werden.

3. MR-Angiographie der abdominalen Aorta

Wie bei der thorakalen Aorta können Aneurysmen und Dissektionen auch im Bereich der abdominalen Aorta analysiert werden. Durch die 3-D- Nachbearbeitungsmöglichkeiten werden die oftmals individuellen aneurysmatischen Formationen in allen frei wählbaren Ebenen dargestellt. Dies spielt insbesondere vor chirurgischen oder interventionellen Maßnahmen eine entscheidende Rolle.

4. MR-Angiographie der Nierenarterien

Die MR-Angiographie ermöglicht die exakte Darstellung von Nierenarterienstenosen. Auch aneurysmatische Veränderungen können genau dargestellt werden. Akzessorische Nierenarterien werden mit den hochaufgelösten, kontrastmittelverstärkten Sequenzen sicher erkannt.

5. MR-Angiographie der Becken- und Beingefäße

Zur Diagnose der pAVK verfügen wir über eine spezielle Oberflächenspule, welche in Kombination mit der Tischverschiebe-Technik eine lückenlose und genaue Darstellung der Beingefäße ermöglicht.

6. MR-Angiographie der Fußgefäße

Es besteht die Möglichkeit, die Fußgefäßein einem isolierten Untersuchungsschritt in hoher Auflösung detailliert zu analysieren. Auf diese Weise können die Fußgefäße hinsichtlich der revaskularisiernden Maßnahme (z.B. pedaler Bypass) beurteilt werden.

Zusammenfassung:

Wichtige Fragestellungen im Kardio-Bereich sind die folgenden:

Ischämiediagnostik (Bypass, KHK, Infarktanalyse)
Klappendiagnostik
(Herzfehler (ASD, PFO, VSD, Fallot..., Aortenisthmusstenose, D. botalli, TGA, Ebstein)
Kardiomypathien
Myocarditis
Neoplasien
RV-Dysplasie
Perikarderkrankungen

Geht es um den Bereich Pulmo, werden folgende Fragestellungen focussiert:

Chronische thrombembolische pulmonal arterielle Hypertonie
Lungenvenenfehleinmündung
Pulmonale AV-Fisteln

Den Bereich Angio betreffend geht es um folgende Fragestellungen:

Carotis
Nierenarterien
Becken-Bein
Thorakale Aorta (Dissektion etc.)
Abdominale Aorta (Dissektion, Aneurysma etc,)
Hand
Fuß