Welche Beschwerden habe ich mit einer pAVK im Stadium III und IV?

Wenn es nicht gelingt, das Fortschreiten der pAVK aufzuhalten, wird die Durchblutung der Gewebe hinter dem Engpass immer schlechter. Bei fast jedem dritten Patienten entsteht aus dem Stadium II ein Stadium III und IV. Patienten im Stadium III und IV verspüren schon in Ruhe Schmerzen und sind schwer krank. Nicht selten treten weitere gefäßbedingte Erkrankungen auf, die das Leben ernsthaft bedrohen.

In dieser Patientengruppe, in der sich das Krankheitsbild verschlimmert, müssen bis zu 12 Prozent mit Amputationen der Gliedmaßen rechnen.

 

 

Hier sieht man ganz deutlich, dass die offene Stelle innerhalb kurzer Zeit abgeheilt ist, nachdem durch eine PTA die Durchgängigkeit der Beckenarterie wieder hergestellt wurde.

Welche Behandlung ist im Stadium III oder IV einer pAVK für mich notwendig?

Risikofaktoren minimieren
Selbst in diesen fortgeschrittenen Stadien ist es für den weiteren Krankheitsverlauf ganz entscheidend, dass Sie konsequent gegen bestehende Risikofaktoren ankämpfen. Dies gilt vor allem für das Rauchen, da die Amputationsrate bei Rauchern stark erhöht ist.

Bettruhe
Jetzt kommt es darauf an, körperliche Anstrengungen zu vermeiden, selbst das Gehtraining aus Stadium II soll jetzt nicht mehr durchgeführt werden.
Der Grund ist, dass durch den gesteigerten Durchblutungsbedarf durch Bewegung ab Stadium II keine neuen Gefäße mehr gebildet werden, um die Engstelle zu umgehen. Jetzt wird nämlich der durch Bewegung erhöhte Durchblutungsbedarf dadurch ausgeglichen, dass die Haut weniger durchblutet wird. Hautschäden wie Hautgeschwüre sind die Folge. Um die Durchblutung der Haut nicht einzuschränken ist häufiges Entlasten der Beine notwendig.

Lagerung der Beine
Wenn Sie liegen ist eine optimale Lagerung der Beine wichtig, um Druckgeschwüre zu verhindern. Als sinnvoll erwiesen hat sich eine weiche Polsterung unter beiden Unterschenkeln bei überstehenden Füßen. So vermeiden Sie Druck auf die gefährdeten Fersen.
Es ist optimal, das Fußende des Bettes um 20 bis 30 Grad nach unten zu neigen und den Oberkörper erhöht zu lagern. Durch diese Lagerungstechnik vergrößert sich der Höhenunterschied zwischen Herz und Beinen und damit der Blutdruck vor der Gefäßengstelle. Die Durchblutung im betroffenen Bein wird verbessert, die Schmerzen nehmen ab und Hautschäden können leichter abheilen. Einziger Nachteil dieser Lagerung: Es kann zu Schwellungen im Bereich der Füße kommen.

Wie werden auftretende Schwellungen behandelt?
Durch die oben vorgestellte Hängeposition der Beine und durch Entzündungen kann es bei Patienten im Stadium III und IV der pAVK häufig zu Schwellungen der Unterschenkel und der Füße kommen. Es ist unbedingt notwendig, diese Schwellungen zu behandeln, da sie die Sauerstoff- und Nährstoffversorgung weiter verschlechtern.

Flache Lagerung der Beine
Die Schwellungen nehmen durch eine flache Lagerung der Beine ab, was jedoch Schmerzen verursacht. Jetzt kommen Schmerzmittel zum Einsatz, um die Lagerung zu ermöglichen.

Bekämpfung von Entzündungen
Hautwunden werden örtlich behandelt und gegebenenfalls durch die Einnahme von Antibiotika (Mittel gegen Bakterien) oder Antimykotika (Mittel gegen Pilze) versorgt.

Wundpflege
Ohne geeignete Wundpflege heilen die Hautgeschwüre im Stadium IV sehr schlecht ab. Die tägliche Wundpflege hat deshalb einen wesentlichen Einfluss auf die Heilung der „offenen Beine“. Dazu gehören:

  • Täglicher Verbandswechsel
  • Entferung abgestorbener Gewebeteile
  • Suche und Entfernung von Eiteransammlungen
  • Wundreinigung mit Enzymen oder flüssigkeitsaufsaugenden Stoffen

Die interdisziplinäre Fußsprechstunde im CCB Diabetes Centrum bietet eine optimale Versorgung von schlecht heilenden Wunden. In Zusammenarbeit mit Chirurgen, speziell ausgebildeten Fußpflegern (Podologen) und spezialisierten Orthopädieschuhmachern werden offene Stellen mit viel Engagement gepflegt und geheilt. Das CCB Diabetes Centrum arbeitet hier mit der Angiologie zusammen.

Thrombozytenfunktionshemmer
Auch in dieser Phase werden Thrombozytenfunktionshemmer eingesetzt, um drohende Komplikationen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall oder ein weiteres Fortschreiten der Durchblutungsstörungen in den Beinen zu vermindern.

Ballon-Dilatation und Operation
In den Stadien II und IV der Erkrankung sind grundsätzliche Maßnahmen angezeigt, um die Weite der betroffenen Arterien zu vergrößern oder die Blutgefäßeinengungen durch künstliche Gefäße (Bypass) zu umgehen. Ob eine Ballon-Dilatation, eine Operation, oder die Thrombolyse an erster Stelle steht, wird im Einzelfall, Ihrem Krankheitsverlauf entsprechend, entschieden.

Operative Verfahren (vasculäre und endovaskuläre Chirurgie)
Komplexe multiple Gefäßläsionen sowie langstreckige Verschlüsse der Bein- und Beckengefäße können mit einem Bypass überbrückt oder durch eine Ausschälplastik (TEA -Thrombendarteriektomie) wiedereröffnet werden.
An den Beinen erfolgt die Rekonstruktion in der Regel mit körpereigenem Venenmaterial. Die Vene kann „ in situ “ belassen werden (in situ Bypass) mit dem Vorteil eines geringen Operationstraumas oder sie wird entnommen und in sogenannter Umkehrtechnik (reversed) wieder eingesetzt. Die Offenheitsrate von Venenbypässen ist mit 70% in 5 Jahren außerordentlich gut. Mangels Vene muss teilweise auch auf biologische Transplantate zurückgegriffen werden. Diese haben auch noch eine Offenheitsrate von 40-60% in 5 Jahren.
Bei Diabetikern haben sich Rekonstruktionen mit Venen an Unterschenkelgefäßen bewährt, die zumindest ein Abheilen der Läsionen am Fuß ermöglichen sollen.
Die Rekonstruktion in der Beckenetage erfolgt in aller Regel mit Kunststoff, Dacron oder PTFE-Prothesen. Hier sind Offenheitsraten mit über 80% in 5 Jahren den Ergebnissen der TEA vergleichbar.
Die Thrombendarteriektomie wird heute nach modernsten endovasculären Gesichtspunkten durchgeführt. Die geschlossene Ausschälplastik erfolgt unter Röntgenkontrolle „ over the wire “ ggf mit intraoperativer Fixation der proximalen Stufe mit einem Stent.
Die Weiterentwicklung in der Gefäßmedizin insbesondere die Behandlungsmöglichkeiten der Gefäßerkrankungen mit dem Katheter haben es erforderlich gemacht, auch den Gefäßchirurgen „weiterzuentwickeln“. Heute muss der moderne Gefäßchirurg („ endovasculärer Spezialist“) beide Behandlungsmöglichkeiten beherrschen, um das Operationstrauma für den Patienten zu minimieren und ggf auch klassische Verfahren mit endovasculären Verfahren (Dilatation, Stents , Stentprothesen) kombinieren zu können („Hybridoperationen“).
Die operative Behandlung der Carotisstenose ist auch nach Einführung der Dilatation an der Halsschlagader und Stentbehandlung (CAS) nach wie vor ein standardisiertes und bewährtes Verfahren. Die Operationen können ebenfalls wie bei der Stentbehandlung in Lokal- oder Plexusanaesthesie durchgeführt werden, mit der Möglichkeit des „ Neuromonitorings “ (Kontrolle der Hirnfunktion). Insbesondere die Langzeitergebnisse (Rezidivstenoserate) scheinen für das operative Vorgehen zu sprechen. Weitere Studien werden derzeit hierzu durchgeführt. Im CCB Gefäß Centrum stehen beide Verfahren zur Verfügung.
Zur Behandlung der Krampfadern kommen die klassische Verödung und die Schaumsklerosierung zum Einsatz, operativ die mikrochirurgische Seitenastentfernung (Phlebektomie), die Unterbindung von Perforansvenen, das stadiengerechte komplette Entfernen von Stammvenen (Venenstripping) und neuerdings auch die Radiowellentherapie von Krampfadern.

Spectranetics CVX-300 Laser
Spectranetics CVX-300 Laser

Spectranetics Laser

Laser werden in eher seltenen Fällen bei der Wiedereröffnung von Herzkranzgefäßen oder von Gefäßen des Oberschenkels eingesetzt, insbesondere wenn andere Methoden versagen. Der Spectranetics CVX-300 Laser entspricht der modernsten Technologie und besitzt als einziges Laser-System eine Zulassung der FDA für die Behandlung cardio-vaskulärer Erkrankungen.

Hierbei wirkt ein kaltes, ultraviolettes Licht in kurzen Energiepulsen auf eine Stenose zw. einen Gefäßverschluss. Die Laserenergie wird über einen flexiblen Fiberglas-Katheter bis zur Engstellung / Verschluss geführt und dort fokussiert abgegeben. Bei einer Wellenlänge von 308 nm wird arteriosklerotisches Plaquematerial aufgelöst. Die verbleibenden mikroskopischen Teile können über das Gefäßsystem abtransportiert werden. Der Laser verdampft sowohl Plaquematerial, Thrombus (Blutgerinnsel) als auch verkalkte Strukturen in so kleine Partikel, dass diese über den normalen Blutfluss abtransportiert werden können.

Das Haupteinsatzgebiet des Lasers bei Herz- und Kreislauferkrankungen ist die Beseitigung von Bindegewebe bei häufiger Wiedereinengung von Gefäßen. Dies gilt insbesondere für die Gefäße am Oberschenkel, aber auch für die Gefäße bzw. Bypässe am Herzen.

Wiedereinengungen von mit Stents versorgten Gefäßen sind ein für den Patienten unangenehmes und wiederkehrendes Problem.

Neue Laser-Technologien mit höheren Energien und anderen Kathetern ermöglichen auch die Wiedereröffnung von größeren Gefäßen wie beispielsweise am Oberschenkel. Dies bietet in vielen Fällen eine sinnvolle Alternative zu anderen Methoden, die immer wieder verschlossenen Gefäße wieder zu eröffnen.

Spitze des Laserkatheters im Querschnitt
Spitze des Laserkatheters im Querschnitt
Spitze des Laserkatheters mit Führungsdraht
Spitze des Laserkatheters mit Führungsdraht
Vorführen von Führungsdraht und Laserkatheter durch einen Gefäßverschluss im Modell
Vorführen von Führungsdraht und Laserkatheter durch einen Gefäßverschluss im Modell
Energieabgabe im Gefäßverschluss
Energieabgabe im Gefäßverschluss

Durchblutungsfördernde Medikamente
Kommen die oben beschriebenen Maßnahmen zur Weitung der Engstelle nicht in Frage, weil sie zu riskant oder aus anderen Gründen unmöglich sind, wird ein Behandlungsversuch mit durchblutungsfördernden Medikamenten gemacht.

Schmerzbehandlung
Reichen die beschriebenen Lagerungs-Maßnahmen nicht aus, um den Ruheschmerz zu lindern, müssen schmerzlinderne Medikamente eingesetzt werden. Ihr Arzt wählt ein für Sie passendes Medikament aus, das Sie bitte genau nach Anweisung einnehmen.